In dem Walde süsse Töne
Singen kleine Vögelein.
Auf der Heide blühen schöne
Blumen zu des Maien Schein.
Also blüht auch froh mein Mut, 5
Wenn er denkt an ihre Güte,
Die mir reich macht mein Gemüte,
Wie der Traum dem Armen tut.
Ja, zu ihrer Tugend hege
Diese Hoffnung ich, 10
Dass ich endlich sie bewege,
Und sie noch beglücket mich.
Dieser Hoffnung bin ich froh.
Gebe Gott, dass sich’s vollende,
Sie mir diesen Wahn nicht wende, 15
Der mich jetzt erfreut schon so.
Du viel Süsse, Wohlgetane,
Frei von Truge, treu und stet,
Lasse mich in liebem Wahne,
Wenn es jetzt nicht anders geht, 20
Dass die Freude lange währ’,
Ich vor Weinen nicht erwache,
Nein, dem Trost entgegenlache,
Der von ihrer Huld kommt her.
Lieber Wunsch und froh Gedenken 25
Ist die grösste Freude mein.
Nichts soll mir den Trost beschränken,
Lässt sie mich nur immer sein
Ihr mit beidem nahe bei
Und vergönnt mir, ihretwegen 30
Süsse Lust daran zu hegen,
Wie beglückend sie stets sei.
Süsser Mai, auch du alleine
Tröstest sonst die Welt fürwahr;
Doch du freust selbst im Vereine 35
Mit der Welt mich kaum ein Haar.
Brächtet ihr wohl Freude mir
Ausser der Viellieben, Guten?
Trost will ich von ihr vermuten;
Ich leb’ nur des Trosts von ihr. 40
+5+
+Ulrich von Lichtenstein: Treue Liebe.+
In dem duftigsüssen Maien,
Wenn erprangt des Waldes Trieb,
Sieht man lieblich auch zu zweien,
Was nur irgend hat ein Lieb.
Eins ist mit dem andern froh, 5
Und mit Recht, die Zeit will’s so.
Wo ein Lieb zum Lieb sich reihet,
Gibt die Liebe frohe Lust,
Und mit hohen Freuden maiet
Es fortan in jeder Brust. 10
Liebe will, dass Trauern flieht,
Wo man Lieb bei Liebe sieht.
Wo zwei Lieb’ einander meinen
Treulich sich von Herzensgrund,
Und sich beide so vereinen, 15
Dass nie schwankt ihr Liebesbund:
Für ein Leben wonniglich
Schenkte Gott die beiden sich.
Treue Liebe nennt man Minne:
Eins ist Lieb’ und Minne dann, 20
Dass ich sie in meinem Sinne
Nimmermehr drum scheiden kann.
Liebe muss im Herzen mein
Immer mir auch Minne sein.
Kann ein treues Herze finden 25
Treue Liebe, treuen Mut,
Muss ihm alle Trauer schwinden.
Treue Liebe ist so gut,
Dass sie stete Freude leiht
Treuem Herzen allezeit. 30
Möcht’ ich treue Liebe finden,
Wollt’ ich so getreu ihr sein,
Dass ich damit überwinden
Wollte alle Sorg’ und Pein.
Treue Liebe hab’ ich gern, 35
Ungetreue bleib’ mir fern.
+6+
+Neidhart von Reuental: Die tanzlustige Junge.+
“Der Mai, der ist so mächtig,
Drum führt er auch so prächtig
Den Wald an seinen Händen,
Der ist jetzt voll von neuem Laub,
der Winter muss sich enden.
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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