Voll Lust waren beisammen die Landessöhne,
Die Helden heiteren Herzens, hin und her eilten Diener,
Schenken mit Schalen trugen schimmernden Wein
In Krügen und Kannen. Gross war der Kühnen Jubel,
Beseliget in dem Saale. Da dort unter sich auf seinen Sitzen 2010
Am fröhlichsten das Volk sein Freudengetön erhob;
Als der Wonne voll sie waren, da gebrach es ihnen an Wein,
Den Landeskindern an Lautertrank,[1]
nichts war übrig gelassen
Irgendwo in dem Hause, was vor die Heerschar fürder
Die Schenken trügen, sondern die Schäffer[2] waren 2015
Des Lautertrankes leer. Da war es nicht lange hernach,
Dass dieses sofort erfuhr der Frauen schönste,
Kristi Mutter; sie kam, mit ihrem Kinde zu sprechen,
Mit ihrem Sohne selbst, sie sagte ihm sogleich,
Dass da die Wehrhaften nicht mehr des Weines hätten 2020
Für die Gäste beim Gastmahle; bittend begehrte sie,
Dass hiefür der heilige Krist Hilfe schüfe
Den Wehrhaften zu Willen. Da hatte hinwieder sein Wort bereit
Der mächtige Gottessohn, und zu seiner Mutter sprach er:
“Was liegt dir und mir an dieser Mannen Trank, 2025
An dieses Festvolkes Wein?
Warum sprichst du, Frau, hierüber so viel,
Mahnst mich vor dieser Menge? Noch sind meine
Zeiten nicht gekommen!”
Dann hegte doch sicheres Zutraun
In ihres Herzens Tiefe die heilige Jungfrau,
Dass nach diesen Worten des Waltenden Sohn, 2030
Der Heilande bester, helfen wollte.
Es trug da auf den Amtleuten der Edelfrauen schönste,
Den Schenken und Schöpfwarten,
die dort den Scharen aufwarten sollten,
Nicht von Wort noch Werk irgendwas zu unterlassen,
Was sie der heilige Krist heissen würde 2035
Zu leisten vor den Landessöhnen. Leer standen dort
Der Steinfässer sechse; da gebot so stille
Der mächtige Gottessohn, so es der Männer viele
In Wahrheit nicht wussten,
wie er es mit seinen Worten gesprochen;
Er hiess die Schenken da mit schimmerndem Wasser 2040
Füllen die Gefässe und hat dies da mit seinen Fingern dort
Selber gesegnet; mit seinen Händen
Verwandelt’ er Wasser in Wein.
Er liess aus den weiten Gefässen
Schöpfen mit einer Schale; und zu den Schenken sprach er da,
Hiess sie von den Gästen, die bei dem Gastmahle waren, 2045
Dem Hehrsten in die Hand geben
Ein volles Gefäss, dem, der über das Volk dort
Dem Wirte zunächst gewaltet.
[Notes:
1: M.H.G. _lûtertranc_, a sort of spiced claret.
2: The ‘vessels’ from which wine was poured into the cups.]
_Lines 2235-2264: The stilling of the storm on the sea of Galilee._
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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