Wäre nur nicht sein böser Wille.
Wer nicht mit wenigem kann leben,
Muss seinen Leib zu eigen geben.
Der brave Mann weiss stets Bescheid
In Reichtum und in Dürftigkeit. 80
Wir wenden mehr der Müh’ und List
An das, was uns nicht nötig ist,
Als an das Nötige sogar:
Ist doch die Art sehr wunderbar.
Man lässt zu Hause Kind und Weib 85
Und plagt mit Arbeit seinen Leib,
Und der Gewinn ist manchmal klein;
Es würd’ also viel besser sein,
Wenn man mit nur geringer Müh’
Nach Tugend würbe; so gedieh’ 90
Uns Reichtum und ein grosses Gut
(Ich meine in dem reichen Mut).
Man gibt sehr oft den eignen Leib,
Freiheit, Seele, Kind und Weib
Um weniges, und wenn zur Stund’ 95
Wir’s kaufen sollten für ein Pfund,
Wir liessen es ganz unberührt.
Der tör’chte Mensch zu Markte führt
Sein eignes Selbst und weiss nicht wie,
Um lauter Sorge, Reu’ und Müh’, 100
Mit seinem Selbst kauft er was ein,
Und meint, das Ding nun wäre sein;
Doch mit der Zeit wird er belehrt,
Dass er vielmehr dem Ding gehört.
Er wäre sein, wär’ nicht sein Gut; 105
Dermassen hat er seinen Mut,
Und seinen Sinn dem Gut gegeben
Und muss als ein Leibeigner leben.
Der, der verkauft den freien Mut,
Erhält niemals ein gleiches Gut. 110
Wem sein Reichtum läufet vor,
Der folget nach ihm wie ein Tor.
Wer mit dem Gute unrecht tut,
Der unterwirft ihm seinen Mut,
Und wer es nicht beherrschen kann, 115
Der ist des Pfennigs Dienstemann.
Jetzt von der Unbeständigkeit:
Von grosser Lieb’ kommt grosses Leid.
Was man erwirbt mit grosser Not,
Man lässt es doch zurück im Tod. 120
Der Reichtum macht niemand gesund,
Der ruft ihn in der Krankheit Stund’.
Wer da ihn liebt mit grossem Neid,
Verlässt ihn auch mit grossem Leid;
Und wie er sich mag wenden, 125
Es muss mit ihm doch enden.
Und Leid von Lieb’ entstehen mag,
Sogar auch vor dem Todestag:
Feind, Feuer, Spiel und Tod und Diebe,
Die können machen Leid aus Liebe. 130
Drum mein’ ich, dass der Reiche tut
Das beste, wenn er gibt sein Gut
Um ein viel besseres, das heisst,
Um Gottes Huld, die allermeist
Einträglich ist und ihm gewährt 135
Den Reichtum, der sich ewig mehrt,
Den kauft des Armen reiner Mut;
Drum haben sie ein gleiches Gut.
Der Arme kommt zu seinem Ziel
Geschwinder, wenn er es nur will. 140
Der Reiche fährt in seiner Würde,
Der Arme mit geringer Bürde
Und ohne Sorge, wie’s ihm passt;
Der Reiche mit des Reichtums Last,
Dazu mit Angst und argem Wahn. 145
Hört er nur etwas, hält er an.
Rührt sich irgendwo ’ne Maus,
Er meint, es wäre in sein Haus
Ein Dieb gekommen, und schreit “Diebe!”
Das macht doch nur des Geldes Liebe. 150
Indessen dringt der Arme vor
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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