Dem Reichen zu des Herren Tor.
Wer stets behalten will sein Gut,
Der geb’ es in des Armen Hut;
Denn dieser bringt es an den Ort, 155
Wo es ihm bleibt als ew’ger Hort.
Wer seine Kammer hier will machen,
Er mag sie, wie er will, bewachen,
Verliert den Schatz, das Wort ist wahr,
So hier wie dort auf immerdar. 160
Der Karge bleibt ein Nimmersatt:
Solch Wesen auch die Hölle hat;
Drum sollten beide, meine ich
Zusammenhalten ewiglich.
Wer sich erweist der Hölle gleich, 165
Gehört nicht hin in Gottes Reich.
+XXXI. DER STRICKER+
The assumed name of a thirteenth century writer whose real name is
unknown. _Der Stricker_ probably means ‘the composer,’ ‘the poet.’ He
wrote a long epic, _Karl the Great_, an Arthurian romance, _Daniel of
the Blooming Vale_, and several short tales of which the best is _Pfaffe
Ameis_. The hero is a peripatetic rogue and practical joker who plays
tricks on people and makes much money. The selection is from the
translation by Karl Pannier in the Reclam library.
_From ‘Pfaffe Ameis’, lines 805 ff: Ameis as doctor._
Als nun Ameis durch diesen Schlich 805
Gar vieles Gut erworben sich
Dort an dem Hof zu Karolingen,[1]
Ritt er hin nach Lotharingen
Und fragete da unverwandt,
Bis er des Landes Herzog fand. 810
Dem meldete er eine Märe,
Dass nach dem Herrgott keiner wäre,
Der besser heilen könnt’ als er.
“So hat Euch Gott gesendet her,”
Hat da das Wort der Herzog nommen; 815
“So bin ich froh, dass Ihr gekommen.
Ich hab’ Verwandt’ und Dienstleut’ hier,
Von deren Leiden Kummer mir
Ersteht; siech ist ein grosser Teil
Verleiht Euch Gott ein solches Heil, 820
Dass Ihr sie machen könnt gesund,
Ihr werdet reich zur selb’gen Stund’.”
Ameis zu sprechen da begann:
“Ich bin ein Arzt, der solches kann.
Die von dem Aussatz sind befreit 825
Und nicht durch Wunden haben Leid,
Die haben Krankheit nicht so schwer--
Und wären’s tausend oder mehr,--
Dass ich sie nicht gesunden macht’,
Bevor der Tag entweicht der Nacht; 830
Geschieht dies nicht, nehmt mir das Leben.
Drum bitt’ ich Euch, mir nicht zu geben
Geschenke oder Lohn, bevor
Ihr nicht gehört mit eignem Ohr,
Dass sie gesagt, sie sei’n gesund. 835
Dann tut mir Eure Gnade kund.”
Des freute sich der Herzog sehr:
“Ihr redet wohl,” erwidert’ er
Und rief die Kranken unverweilt.
An zwanzig kamen da geeilt; 840
Die führt’ der Pfaff’ in ein Gemach.
“Bald hab’ ich,” er zu ihnen sprach
“Von eurer Krankheit euch befreit,
Wenn ihr mir schwöret einen Eid,
Erst nach Verlauf von sieben Tagen 845
Von meiner Red’ etwas zu sagen.
Nicht anders ich euch heilen kann.”
Als er mit solcher Red’ begann,
Da liessen sie sich bald besiegen.
Sie schworen, dass sie es verschwiegen, 850
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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