Wie die Seele geschaffen sei,
Des Wunders werd’ ich hier nicht frei.
Woher sie komme, wohin sie fahr’,
Die Strass’ ist mir verborgen gar.
Hier weiss ich selbst nicht, wer ich bin;
Gott gibt die Seel’, er nehme sie hin:
Gleichwie ein Hauch verlässt sie mich,
Und wie ein Aas da liege ich.
+2+
+Unentbehrlichkeit der Toren.+
Der Weisen und der Toren Streit
Hat schon gewähret lange Zeit
Und muss auch noch viel länger währen;
Man kann sie beide nicht entbehren.
+3+
+Borniertheit der Toren.+
Der Tor, wenn er ’ne Suppe hat,
Kümmert sich gar nicht um den Staat.
+4+
+Nachahmungssucht der Toren.+
Findet ein Tor eine neue Sitt’,
Dem folgen’ alle Toren mit.
+5+
+Selbstgefälligkeit.+
Uns selbst gefallen wir alle wohl;
Drum ist das Land der Toren voll.
+6+
+Selbstüberschätzung.+
Wer wähnt, dass er ein Weiser sei,
Dem wohnt ein Tor sehr nahe bei.
+7+
+Alter und Jugend.+
Haben alte Leute jungen Mut,
Und junge alten, das ist nicht gut;
Singen, springen soll die Jugend,
Die Alten wahren alte Tugend.
+8+
+Grenzen der Fürstenmacht.+
Und sollte es der Kaiser schwören,
Der Mücken kann er sich nicht wehren;
Was hilft ihm Herrschaft oder List,
Wenn doch ein Floh sein Meister ist.
+9+
+Der unbedeutende Feind.+
Dem Löwen wollt’ ich Friede geben,
Liessen mich die Flöhe leben.
+10+
+Der kühnste Vogel.+
Die Flieg’ ist, wird der Sommer heiss,
Der kühnste Vogel, den ich weiss.
+11+
+Rom und der Papst.+
Zu Rom ist manche falsche List,
Daran der Papst unschuldig ist.
+12+
+Weisheit und Reichtum.+
Ich nähme Eines Weisen Mut
Für zweier reicher Toren Gut.
+13+
+Scheinheiligkeit.+
Von manchem hört’ ich schon mit Neid,
Er pflege grosser Heiligkeit;
Und sah ich ihn, da dünkt’ es mich,
Er wäre nur ein Mensch wie ich.
+14+
+Der freie Gedanke.+
Deshalb sind Gedanken frei,
Dass die Welt unmüssig sei.
+15+
+Lebensregel.+
Man soll nach Gut und Ehre jagen
Und Gott dennoch im Herzen tragen.
+16+
+Minneglück.+
Wer minnet, was er minnen soll,
Dem ist mit Einem Weibe wohl;
Ist sie gut, so ist ihm gewährt,
Was man von allen Weibern gehrt.
+XXXIII. PLAY OF THE TEN VIRGINS+
One of the earliest attempts at dramatic composition in German. There is
a tradition that it was played in 1322 before the Landgrave of Thüringen
and that he was so overwhelmed by its picture of Christ as stern judge
that he fell into a moody despair which endured five days and ended with
an apoplectic stroke from which he died three years later.
_Die erste Törichte spricht also_:
Herr Vater, himmelischer Gott,
Tu’ es bei deinem bittern Tod,
Den du am Kreuze hast erduldet:
Verzeih’ uns armen Jungfraun, was wir verschuldet.
Verleitet hat uns leider unsre Torheit; 5
Lass uns geniessen deiner grossen Barmherzigkeit,
Und Mariens, der lieben Mutter dein,
Und lass uns zu dem Gastmahl hier herein.
_Jesus spricht also_:
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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