Mit Worten sanft und doch nicht wahr,
Mit Zungen, die wie Messer schneiden;
Ach, was muss man davon leiden! 80
Und noch eins mich mit Schmerz bewegt:
Dass mancher Blau am Leibe trägt
Und wähnt davon stätig zu sein,
Weil er in blauer Farbe Schein
Erzeiget sich den Frauen gut. 85
Mich dünkt nun so in meinem Mut:
Wäre die Farbe, wie man hört,
Die Elle hätte wohl den Wert
Von hundert Gulden sicherlich;
Doch Stæte wiegt im Herzen sich, 90
Sie tut nicht von der Farbe kommen,
Drum kann es manchem wenig frommen,
Wenn er der Unstæt’ huldigt
Und wird von Fraun beschuldigt.”
Ich hört’ ihr Plaudern mannigfalt, 95
Und was zu tun, entschied ich bald.
Ich ging hinzu und sprach kein Wort.
Frau Minn’ erblickte mich sofort,
Die war gar wundersam geziert:
“Sag’ mir, mein lieber Suchenwirt,” 100
Sprach sie, “was tust du hie?”
Geschwinde fiel ich auf ein Knie.
“Gnade, Frau,” darauf sprach ich;
“Der Mai hat Blumen wonniglich
Im ganzen Land herumgestreut, 105
Dass manches Herze wird erfreut,
So wie die kleinen Vögelein.
Ich kam verlockt vorn Augenschein
Auf diesen Anger wunderbar;
Da wurde Euer ich gewahr 110
Und hörte Eure Klage gross.”
Sie sprach: “Ich bin der Freuden bloss
Und weiss, was ich beginnen soll.
Die Welt ist schlechter Kniffe voll:
Hast du gehört des Jammers Pein, 115
So handle nach dem Willen mein
Und tu’ es offenherzig kund
Den Edlen hier zu mancher Stund’,
Dass sie vor Schande hüten sich.”
“Das tu’ ich gerne, Frau,” sprach ich. 120
So schied ich von der Minne dann
Beglückt und ohne argen Wahn.
+XXXVII. BRANT’S SHIP OF FOOLS+
A famous satire published at Basel in 1494, with numerous excellent
woodcuts. Its author, Sebastian Brant, was born at Strassburg in 1457,
took his degree in law, became city clerk of his native place and died
in 1521. The _Ship of Fools_, which consists of disconnected sections
describing the various kinds of fools--over a hundred of them--who have
embarked in the ship for Fool-land, was translated into Latin, into
French three times and into English twice. It was Germany’s first
important contribution to world literature. The selections are from the
modernization by Simrock, Berlin, 1872.
+1+
+Von Geiznarren.+
Wer sich verlässt auf zeitig Gut,
Drin Freude sucht und guten Mut,
Der ist ein Narr mit Leib und Blut.[1]
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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