Der rührt sich wohl den Narrenbrei,
Der wähnt, dass er sehr witzig sei, 5
Und gefällt sich selber gar so wohl,
Dass er in den Spiegel guckt wie toll
Und doch nicht mag gewahren, dass
Er einen Narren sieht im Glas.
Und sollt’ er schwören einen Eid, 10
Spricht man von Zucht und Artigkeit,
Meint er, die hätt’ er ganz allein,
Seinsgleichen könnt’ auch nirgends sein,
Der aller Fehler ledig wär’.
Sein Tun und Ruhn gefällt ihm sehr. 15
Des Spiegels er drum nicht enträt,
Wo er sitzt und reitet, geht und steht,
Wie es Kaiser Otho hat gemacht,
Der den Spiegel mitnahm in die Schlacht
Und schor die Backen zwier am Tag, 20
Mit Eselsmilch sie wusch hernach.
Dem Spiegel sind die Fraun ergeben;
Ohne Spiegel könnte keine leben.
Eh’ sie sich recht davor geschleiert
Und geputzt, wird Neujahr wohl gefeiert. 25
Wem so gefällt Gestalt und Werk,
Ist dem Affen gleich zu Heidelberg.[3]
Dem Pygmalion gefiel sein Bild,
Vor Narrheit ward er toll und wild.
Sah in den Spiegel nicht Narciss, 30
Lebt’ er noch manches Jahr gewiss.
Mancher sieht stets den Spiegel an,
Der ihm doch nichts Schönes zeigen kann.
Wo du solch närrisch Schaf siehst weiden,
Das mag auch keinen Tadel leiden, 35
Es geht in seinem Taumel hin,
Und kein Verstand will ihm zu Sinn.
[Notes:
2: The picture shows a fool stirring porridge and looking into a
mirror.
3: A note by Simrock states that upon the old bridge at Heidelberg
was formerly to be seen an emblematic ape, with the verses:
Was hast du mich hier anzugaffen?
Sahst du noch nie den alten Affen?
Zu Heidelberg sieh hin und her;
Du findest meinesgleichen mehr.]
+XXXVIII. FOLK-SONGS OF THE FIFTEENTH CENTURY+
A large number of folk-songs originated in the 15th and still more in
the 16th century. From the nature of the type they can seldom be exactly
dated unless they relate to a known historical occurrence. The following
selections are taken from Erk and Böhme’s admirable _Deutscher
Liederhort_, 3 volumes quarto, Leipzig, 1893-4. As any translation into
smooth modern verse would destroy a part of the characteristic flavor of
the songs, they are printed as in Erk and Böhme, but with occasional
modernizations of spelling and grammar.
+1+
+Reigen um das erste Veilchen.+[1]
Der Maie, der Maie
Bringt uns der Blümlein viel;
Ich trag’ ein frei’s Gemüte,
Gott weiss wohl, wem ich’s will.
Ich will’s ei’m freien Gesellen,
Derselb’ der wirbt um mich,
Er trägt ein seiden Hemd an,
Darein so preist[2] er sich.
Er meint, es säng’ ein’ Nachtigall,
Da war’s ein’ Jungfrau fein:
Und kann er mein nicht werden,
Trauret das Herze sein.
[Notes:
1: A song for the ring-dance about the earliest spring violet; Erk
and Böhme, II, 713.
2: M.H.G. _brîsen_, equivalent to modern _schnüren_.]
+2+
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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