+Burschenleben.+[3]
Ich weiss ein frisch Geschlechte,
Das sind die Burschenknechte,
Ihr Orden steht also:
Sie leben ohne Sorgen
Den Abend und den Morgen, 5
Sie sind gar stätiglich froh.
Du freies Burschenleben!
Ich lob’ dich für den Gral;[4]
Gott hat dir Macht gegeben
Trauren zu widerstreben, 10
Frisch wesen überall.
Sie können auch nit hauen
Des Morgens in dem Taue
Die schönen Wiesen breit;
Sonder[5] die schönen Frauen 15
Die können sie wohl schauen
Die Nacht bis an den Tag.
Das macht ihr frei’s Gemüte
Der schönen Frauen klar;
Gott selber sie behüte 20
Durch seine milde Güte,
Die minnigliche Schar!
Wie selten sie auch messen
Das Koren,[6] das sie essen,
Und was der Metzen[7] gilt! 25
Die Bauern müssen schneiden
Und dazu Gerwel reiden[8]
Viel gar ohn’ ihren Dank.[9]
Du feines Burschenleben!
Ich lob’ dich für den Gral; 30
Gott hat dir Macht gegeben
Trauren zu widerstreben,
Frisch wesen überall.
[Notes:
3: An old student song, found in a manuscript of the year 1454;
Erk and Böhme, III, 484.
4: The holy Grail as symbol of something very precious.
5: In the sense of modern _aber_.
6: For _Korn_, _i.e._ ‘grain.’
7: The miller’s ‘toll’ (part of the grist taken in payment for
grinding).
8: _Gerwel reiden_, ‘turn the hand-mill.’
9: _Ohne Dank_, ‘reluctantly.’]
+3+
+Mädchenkunde eines fahrenden Sängers.+[10]
Ich spring’ an diesem Ringe
Des besten, so ich’s kann,[11]
Von hübschen Fräulein singen,[12]
Als ich’s gelernet han.[13]
Ich ritt durch fremde Lande, 5
Da sah ich mancherhande,
Da ich die Fräulein fand.
Die Fräuelein von Franken
Die seh’ ich allzeit gern;
Nach ihn’ stehn mein’ Gedanken, 10
Sie geben süssen Kern.
Sie sind die feinsten Dirnen,
Wollt’ Gott, ich sollt’ ihn’ zwirnen,
Spinnen wollt’ ich lern.[14]
Die Fräuelein von Schwaben 15
Die haben golden Haar,
Sie dürfen’s frischlich wagen,
Sie spinnen über Lahr;[15]
Wer ihn’ den Flachs will schwingen,
Der muss sein nit geringe,[16] 20
Das sag’ ich euch fürwahr.
Die Fräuelein vom Rheine
Die lob’ ich oft und dick:[17]
Sie sind hübsch und feine
Und geben freundlich Blick. 25
Sie können Seide spinnen,
Die neuen Liedlein singen,
Sie sind der Lieb’ ein Strick.
Die Fräuelein von Sachsen
Die haben Scheuern weit; 30
Darin da posst[18] man Flachse,
Der in der Scheuern leit.[19]
Wer ihn’ den Flachs will possen,
Muss haben ein’ Flegel grosse,
Dreschend zu aller Zeit. 35
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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