Und also begeht man heute das Fest der Engel, die bei Gott blieben und
aushielten, dass sie nicht fielen. Und also begeht man heute das Fest
Sankt Michaels und der heiligen Engel. Und dass man das Fest der
heiligen Engel nicht oft im Jahre begeht, daran tat unser Herr gar
weislich und wohl; wie billig es auch wäre, dass man ihr Fest dreimal im
Jahre beginge, so tat unser Herr gar weislich und wohl daran, und es ist
besser, dass man es nicht oft begeht. Warum? Seht, aus diesem Grunde.
Wenn man ihr Fest mit Singen und Lesen beginge, müsste man auch von
ihnen predigen. Und wenn wir also oft von den Engeln predigen müssten,
so käme vielleicht ein Frevler und würde vielleicht so frevelhaft sein,
dass er von den heiligen Engeln Ketzerei predigen könnte. Denn unser
Herr hat so viel Wunders an den Engeln gemacht, dass wir es nicht alles
sicherlich wissen. Er hat etliche Wunder an den Engeln gemacht, wovon
wir nicht genau wissen sondern nur vermuten. Und wer ein Ding vermutet,
der weiss es nicht sicherlich. So hat auch unser Herr manches Ding an
ihnen gemacht, das wir wohl wissen. Wer daher die Dinge predigen wollte,
die wir vermuten, der könnte vielleicht Ketzerei predigen. Also soll
niemand etwas predigen als das, was man sicherlich weiss.
[Notes:
1: Pfeiffer’s edition of Berthold von Regensburg, Vienna, 1862,
vol. ii, page 174.
2: The ‘thing,’ as explained further on, is _die Tugend_.]
2
_From Eckhart’s tractate ‘On the Nature and Dignity of the Soul.’_[3]
Die Seele hat zwei Füsse, das Verständnis und die Minne; und je mehr sie
versteht, desto mehr minnet sie. Und wer kann sie fällen, da der sie
erhält, der alle Kreaturen erhält? Denn die Gnade reizet die Begierde
und ziehet die Seele aus sich selber heraus, so dass sie mit der Gnade
und in der Gnade in Gnade kommt, und über die Gnade in Gott, ihren
ersten Ursprung kommt, wo es ihr wohler als je wird in wonnesamer
Einigung. Denn da verstummen alle Sinne, und der Seele Wille und der
Wille Gottes fliessen ineinander, so dass die zwei Willen sich minnesam
umfangen in rechter Einigung. Und da kann die Seele weder mehr noch
minder denn göttliche Werke hervorbringen, und zwar deshalb, weil an ihr
nichts mehr als Gott lebet. Darum spricht die Seele in dem Buch der
Minne: Ich habe den Kreis der Welt umlaufen und konnte nicht zu dessen
Ende kommen; deshalb habe ich mich in den einzigen Punkt meines einzigen
Gottes versenkt, weil er mich verwundet hat mit seinem Anblicke. Und wen
dieser Anblick nicht verwundet hat, dessen Seele ist von der Minne
Gottes nie verwundet worden. Darum sagt Sankt Bernhard: Welcher Geist
den Anblick empfunden hat, der vermag ihn nicht zu beschreiben, und wer
ihn nicht empfunden hat, der vermag nicht daran zu glauben. Denn da wird
ein Pfeil ohne Zorn geschossen, und man empfindet es ohne Schmerzen;
denn da wird der lautere und klare Brunnen der Arzenei der Gnade
aufgetan, der die inneren Augen erleuchtet, so dass die Seele mit einem
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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