Er wandelte zur Wohnung, gewirkt war die Sünde,
Die bittre am Bruder; er liess ihn am Boden liegen
In einem tiefen Tale betäubt im Blute,
Des Lebens ledig; zur Lagerstatt hatte 30
Den Sand der Geselle. Da sprach Gott selbst jenen an,
Der Waltende, mit seinen Worten-- ihm wallte sein Herz
Unmilde dem Mörder-- er fragte ihn, wo er den Mann hätte,
Den blutjungen Bruder. Der Böse drauf sprach--
Er hatte mit seinen Händen grosse Harmtat 35
Frevelnd gewirkt; die Welt war so sehr
Mit Sünden besudelt:-- “Zu sorgen nicht brauch’ ich,
Zu wachen, wohin er wandle, noch wies mich Gott an,
Dass ich sein hätte irgend zu hüten,
Zu warten in der Welt.” Er wähnte fürwahr, 40
Dass er verhehlen könne seinem Herren
Die Untat und bergen. Ihm gab Antwort unser Herr:
“Ein Werk vollführtest du, des fürder dein Herz
Mag trauern dein Lebtag, das du tatst mit deinen Händen;
Des Bruders Mörder bist du; nun liegt er blutig da, 45
Von Wunden weggerafft, der doch kein einig Werk dir,
Kein schlechtes, beschloss; aber erschlagen hast du ihn,
Hast getan ihm den Tod; zur Erde trieft sein Blut;
Die Säfte entsickern ihm, die Seele entwandelt,
Der Geist, wehklagend, nach Gottes Willen. 50
Es schreit das Blut zum Schöpfer
und sagt, wer die Schandtat getan,
Das Meinwerk in diesem Mittelkreis; nicht mag ein Mann freveln,
Mehr unter den Menschen in der Männerwelt
Mit bittren Bosheitswerken, als du an deinem Bruder hast
Untat geübt.” Da ängstete sich 55
Kain nach des Herrn Worten; er bekannte wohl zu wissen,
Nie möge vor dem Allmächtigen ein Mann, solang die Welt steht,
Eine Tat vertuschen: “So muss ich darob nun betrübten Sinn
Bergen in meiner Brust, dass ich meinen Bruder schlug
Durch meiner Hände Kraft.
Nun weiss ich, dass ich muss unter deinem Hasse leben 60
Fürder, unter deiner Feindschaft, da ich diesen Frevel getan.
Nun mich meine Schandtat schwerer dünkt,
Die Missetat mächtiger als die Milde deines Herzens:
So bin ich des nicht würdig, allwaltender Gott,
Dass du die schreckliche Schuld mir vergebest, 65
Von dem Frevel mich befreiest. Der Frommheit und Treue
Vergass mein Herz gegen deine Heiligkeit;
nun weiss ich, dass ich keinen Tag mehr leben kann;
Erschlagen wird mich, wer auf meinem Weg mich findet,
Austilgen ob meiner Untat.” Da gab ihm Antwort selber
Des Himmels Herrscher: “Hier sollst du fürder 70
Noch leben in diesem Lande. So leid du allen bist,
So befleckt mit Freveln, doch will ich dir Frieden schaffen,
Ein Zeichen an dir setzen, dass du sicher magst
Weilen in dieser Welt, ob du des auch nicht würdig seist:
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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