Flüchtig doch sollst du friedlos für und für 75
Leben in diesem Lande, solang du dieses Licht schaust;
Verfluchen sollen dich die Frommen,
du sollst nicht fürder vor deines Herrn Antlitz treten,
Noch Worte mit ihm wechseln; wallend wird
Die Strafe für den Bruder dich brennen in der Hölle.”
+VII. OTFRIED’S BOOK OF THE GOSPELS+
A Messiad written in the dialect of the southern Rhenish Franks and
comprising some 15,000 lines in five books. It was completed after years
of toil about 870. Its author, a monk of Weissenburg in Alsatia, is the
earliest German author whose name is known and the first to employ rime
or assonance in place of alliteration. The selections are from the
translation in Bötticher and Kinzel’s _Denkmäler, II, 3_, in which the
crude assonances of the pioneer are replaced by regular modern rimes.
[Transcriber’s Note:
In this chapter, all lines have been split at the caesura. Line
numbering in the first passage is unchanged. There are 36 numbered
lines.]
_Book I, section 1, lines 1-34: Otfried tells why he wrote in German._
Es hat viel Leute schon gegeben,
die waren stark in dem Bestreben,
Durch Bücherschreiben zu bereiten
sich gut Gerücht für alle Zeiten;
Und darauf auch gerichtet war
ihr starkes Sehnen immerdar,
Dass man in Büchern es erzählte,
wie ihnen Tatenlust nicht fehlte.
Dazu verlangte ihre Ehre,
dass auch ihr Scharfsinn sichtbar wäre, 5
So wie der Anmut schöne Feinheit
in ihres Dichtens klarer Reinheit.
Sie haben alles, wie’s sich schickt,
sorgsam und kunstvoll ausgedrückt,
Und haben’s gut herausgefunden--
zwar dunkel scheint’s, doch wohl verbunden--
Wodurch es dann auch dazu kam,
dass jedermann sie gern vernahm,
Und wer daran Gefallen fand,
des Witz sich übte und Verstand. 10
Wie leicht wohl könnte man dafür
gar vieler Leute Namen hier
Aufzählen und besonders nennen,
von denen wir die Bücher kennen.
Griechen und Römer, hochberühmt,
die machen’s, wie es sich geziemt,
Und haben’s also hergestellt,
wie es dir immer wohlgefällt.
Sie machen’s nach dem rechten Mass
und schlecht und recht ohn’ Unterlass; 15
So muss es denn ein Ganzes sein,
grad’ so, als wär’s aus Elfenbein.
Wenn man die Taten so erzählt,
die Lust zum Leben keinem fehlt.
Und willst du dich zur Dichtung kehren,
so wirst du deine Einsicht mehren.
So wohl der Prosa schlichtes Wesen
wirst mit Genuss du immer lesen,
Als auch des Metrums feine Zier
ist eine reine Freude dir. 20
Sie machen es mit vieler Süsse
und messen gut der Verse Füsse,
Ob kurz, ob lang sie müssen sein,
auf dass es würde glatt und fein.
Auch darauf stets ihr Trachten geht,
dass jede Silbe sicher steht,
Und dass ein jeder Vers so klingt,
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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