wie jeder Versfuss es bedingt.
Sie zählen mit Genauigkeit
die Läng’ und Kürze jeder Zeit, 25
Und sichre Grenzen sind gezogen,
wonach das Silbenmass gewogen.
Auch säubern sie’s mit rechter Reinheit
und auch mit ausgesuchter Feinheit,
So wie ein Mann mit Fleiss und Treu’
die Körner sondert von der Spreu.
Ja, selbst den heil’gen Büchern geben
sie eine Versform rein und eben,
Kein Fehler findet sich darin,
so liest du es mit frohem Sinn.-- 30
Nun, da so viele es betreiben,
dass sie in eigner Zunge schreiben,
Und da sie eifrig danach streben,
sich selber rühmend zu erheben,
Wie sollten da die Franken zagen,
auch selber den Versuch zu wagen,
Dass sie’s mit Eifer dahin bringen,
auf Fränkisch Gottes Lob zu singen?
Zwar ist der Sprache nicht bekannt
der Regeln festgefügtes Band, 35
Doch fehlt der grade Ausdruck nicht,
noch auch die Einfalt schön und schlicht.
_I, 1, lines 59-90: The same theme continued; Otfried praises the
Franks._
Sie sind genau so unverzagt,
wie man es von den Römern sagt.
Auch darf man nicht zu sagen wagen,
dass kühnern Mut die Griechen tragen. 60
Ganz ebenso ist es bewandt
mit ihrem Wissen und Verstand.
Sie sind voll Mut und Tapferkeit
an jedem Ort, zu jeder Zeit,
Viel Macht und Ansehn haben sie,
und Kühnheit fehlet ihnen nie.
Zum Schwerte greifen sie verwegen,
das ist die Art der wackern Degen.
Vollauf versehn und wohl im Stande,
so wohnen sie in reichem Lande. 65
Von alters her ihr Gut sich mehrt,
derhalben sind sie hochgeehrt.
Gar schön und fruchtbar ist ihr Land;
wem wäre dies nicht wohlbekannt?
Es gibt dort vielerlei Gewinnst--
es ist nicht eigenes Verdienst--
Dort kann man Erz und Kupfer haben,
das zum Gebrauche wird gegraben.
Und denket nur, wie wunderbar!
Eissteine[1] gibt es dort sogar. 70
Und von Metallen man noch füge
dazu das Silber zur Genüge;
Auch lesen sie daselbst im Land
Gold, das sie finden in dem Sand.
Es ist ihr Sinnen fest und stet,
das immer nur aufs Gute geht,
Und ist zum Nutzen hingewandt,
so wie sie’s lehret ihr Verstand.
Sie sind zu jeder Zeit bereit,
zu schützen sich vor Feindes Neid; 75
Der mag nichts gegen diese wagen,
zu Boden wird er stets geschlagen.
Kein Volk gibt’s, das ihr Land berührt,
das ihre Gegenwart nicht spürt;
Sie dienen ihnen notgedrungen,
von ihrer Tüchtigkeit bezwungen.
Sie haben alles Volk besiegt,
wo nicht die See dazwischen liegt.
Nach Gottes Willen und Gedanken
hat jedermann Furcht vor den Franken, 80
Da nirgendwo ein Volk wohl lebt,
das da nach Kampf mit jenen strebt.
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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