Luthrisch, Päbstisch und Calvinisch--diese Glauben alle drei
Sind vorhanden; doch ist Zweifel, wo das Christentum dann sei.
+8+
+Ein unruhig Gemüthe.+
Ein Mühlstein und ein Menschenherz wird stets herumgetrieben;
Wo beides nicht zu reiben hat, wird beides selbst zerrieben.
+9+
+Weiberverheiss.+
Wer einen Aal beim Schwanz und Weiber fasst bei Worten,
Wie feste der gleich hält, hat nichts an beiden Orten.
+10+
+Zweifüssige Esel.+
Dass ein Esel hat gespracht, warum wundert man sich doch?
Geh aufs Dorf, geh auf den Markt: o sie reden heute noch.
+11+
+Die deutsche Sprache.+
Deutsche mühen sich jetzt hoch, deutsch zu reden fein und rein;
Wer von Herzen redet deutsch, wird der beste Deutsche sein.
+12+
+Göttliche Rache.+
Gottes Mühlen mahlen langsam, mahlen aber trefflich klein;
Ob aus Langmuth er sich säumet, bringt mit Schärf’ er alles ein.
+13+
+Franzosenfolge.+
Narrenkappen sam[3] den Schellen, wenn ich ein Franzose wär’,
Wollt’ ich tragen; denn die Deutschen gingen stracks wie ich so her.
[Notes:
3: _Sam_ = _zusammen mit_.]
+14+
+Dreierlei Glauben.+
Der Papst der will durch _Thun_, Calvin wil durch _Verstehn_,
In den Himmel aber wil durch _Glauben_ Luther gehn.
+15+
+Drei Fakultäten.+
Juristen, Ärzte, Prediger sind alle drei beflissen,
Die Leute zu purgieren[4] wol am Säckel, Leib, Gewissen.
[Notes:
4: _Purgieren_, ‘purge,’ ‘clean out.’]
+16+
+Verwandelung.+
Dass aus Menschen werden Wölfe,[5]
bringt zu glauben nicht Beschwerden;
Siht man nicht, dass aus den Deutschen
dieser Zeit Franzosen werden?
[Notes:
5: _Wölfe_, in allusion to the superstition of the man-wolf
(_werewolf, lycanthropus_).]
+17+
+Das Hausleben.+
Ist Glücke wo und was, so halt’ ich mir für Glücke,
Wann ich mein eigen bin, dass ich kein dienstbar Ohr
Um weg verkaufte Pflicht[6] darf recken hoch empor
Und horchen auf Befehl. Dass mich der Neid berücke,
Da bin ich sorgenlos. Die schmale Stürzebrücke,[7]
Darauf nach Gunst man zeucht, die bringt mir nicht Gefahr;
Ich stehe, wo ich steh’, und bleibe, wo ich war.
Der Ehre scheinlich[8] Gift, des Hofes Meisterstücke,
Was gehen die mich an? Gut, dass mir das Vergnügen
Für grosse Würde gilt; mir ist ja noch so wol,
Als dem der Wanst zerschwillt,[9] die weil er Hoffahrt voll.
Wer biegen sich nicht kan, bleibt, wann er fället, liegen.
Nach Purpur tracht’ ich nicht; ich nehme weit dafür,[10]
Wann Gott ich leben kan, dem Nächsten und auch mir.
[Notes:
6: _Um ... Pflicht_, ‘in venal service.’
7: _Stürzebrücke_ = _Fallbrücke_.
8: _Scheinlich_, ‘glittering.’
9: _Zerschwillt_ = _schwellend zerplatzt_.
10: _Nehme dafür_ = _ziehe vor_.]
+18+
+An mein väterlich Gut, so ich drei Jahr nicht gesehen.+
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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