Glück zu, du ödes Feld; Glück zu, ihr wüsten Auen!
Die ich, wann ich euch seh’, mit Thränen muss bethauen,
Weil ihr nicht mehr seid ihr; so gar hat euren Stand
Der freche Mord-Gott Mars grundaus herumgewandt.
Seid aber doch gegrüsst; seid dennoch fürgesetzet 5
Dem allen, was die Stadt für schön und köstlich schätzet.
Ihr wart mir lieb, ihr seid, ihr bleibt mir lieb und werth;
Ich bin, ob ihr verkehrt,[11] noch dennoch nicht verkehrt.
Ich bin, der ich war vor. Ob ihr seid sehr vernichtet,
So bleib’ ich dennoch euch zu voller Gunst verpflichtet, 10
So lang ich ich kan sein; wann dann mein Sein vergeht,
Kans sein, dass Musa wo an meiner Stelle steht.[12]
Gehab dich wol, o Stadt! die du in deinen Zinnen
Hast meinen Leib gehabt, nicht aber meine Sinnen.
Gehab dich wol! mein Leib ist nun vom Kerker los; 15
Ich darf nun nicht mehr sein, wo mich zu sein verdross.
Ich habe dich, du mich, du süsse Vatererde!
Mein Feuer glänzt nun mehr auf meinem eignen Herde.
Ich geh’, ich steh’, ich sitz’,
ich schlaf’, ich wach’ umbsunst.[13]
Was theuer mir dort war, das hab’ ich hier aus Gunst 20
Des Herrens der Natur, um “Habe-Dank” zu niessen
Und um gesunden Schweiss; darf nichts hingegen wissen
Von Vortel und Betrug, von Hinterlist und Neid,
Und wo man sonst sich durch schickt etwan in die Zeit.
Ich ess’ ein selig Brot, mit Schweiss zwar eingeteiget, 25
Doch das durch Bäckers Kunst und Hefen hoch nicht steiget,
Das zwar Gesichte[14] nicht, den Magen aber füllt
Und dient mehr, dass es nährt, als dass es Heller gilt.
Mein Trinken ist nicht falsch[15]; ich darf mir nicht gedenken,
Es sei gebrauen zwier,[16] vom Bräuer und vom Schänken. 30
Mir schmeckt der klare Saft; mir schmeckt das reine Nass,
Das ohne Keller frisch, das gut bleibt ohne Fass,
Drum nicht die Nymphen erst mit Ceres dürfen kämpfen,
Wer Meister drüber sei, das nichts bedarf zum Dämpfen,[17]
Weils keinen Schwefelrauch noch sonsten Einschlag hat, 35
Das ohne Geld steht feil, das keine frevle That
Hat den jemals gelehrt, der dran ihm liess genügen.
Der Krämer fruchtbar Schwur, und ihr geniesslich[18] Lügen
Hat nimmer Ernt’ um mich. Der vielgeplagte Lein,
Der muss, der kan mir auch anstatt der Seiden sein. 40
Bewegung ist mein Arzt. Die kräuterreichen Wälde
Sind Apotheks genug; Geld, Gold wächst auch im Felde,--
Was mangelt alsdenn mehr? Wer Gott zum Freunde hat
Und hat ein eignes Feld, fragt wenig nach der Stadt,
Der vortelhaften Stadt, da Nahrung zu gewinnen 45
Fast jeder muss auf List, auf Tück und Ränke sinnen.
Drum hab’ dich wol, o Stadt! wenn ich dich habe, Feld,
So hab’ ich Haus und Kost, Kleid, Ruh’, Gesundheit, Geld.
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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