Was soll ich Ärmster thun? Soll ich noch einmal rasen
Und durch mein Haberrohr zum Federsturme blasen? 90
Nein, nein, Lysander, nein! Ich will zurücke stehn
Und der erlauchten Schar nur aus den Augen gehn,
Sonst wirft der Schwindelgeist der klugen Weisianer[8]
Mich endlich auf die Bank der reimenden Quintaner
Und jagt mich, ob ich gleich halb notenmässig bin, 95
Ins re, mi, fa, sol, la der Hübneristen[9] hin,
Die sich doch ohnedem an Odermusen[10] reiben,
Sudetenzungen[10] nur zu Mamelucken schreiben
Und alles, was durch Kunst der Pleisse[11] nicht geschehn,
Für Eigenliebe kaum mit halben Augen sehn. 100
Zwar weich’ ich darum nicht, als ob ich, wenn es brennte,[12]
Nicht auch ein Jammerlied im Tanze drechseln könnte,
Und ob der Trippeltakt der leichten Reimerei
In Dedekindens[13] Schoss allein zu Hause sei.
Mir ist ja wohl bekannt, wie man den Schädel seifen 105
Und solche Spötter kann mit Lauge wiedertäufen,
Wie mancher ohne Bart in Phöbus’ Auen springt,
Und wie ein kollernd Pferd sich auf den Pindus schwingt;
Allein ich hab’ einmal die Thorheit aufgegeben.
Es reime, wer da will; ich will in Friede leben. 110
[Notes:
1: Friedrich I, who died in 1713.
2: _Den Toten_, i.e. _den alten (Schriftstellern)_
3: _Lüsterndem_, ‘wanton,’ ‘lubricious.’
4: _Pickelscherz (Pickelhäringscherz)_, ‘clownish jokes.’
5: The Italian poet Marino, known for his sensuality and
affectation, was in high favor with the later Silesians.
6: _Brief_, in allusion to the sensual _Heldenbriefe_ of
Hofmannswaldau.
7: _Philomuschen_, ‘poetaster’ (lover of the Muses).
8: _Weisianer_, partisans of the dull and trivial
schoolmaster-poet, Christian Weise.
9: _Hübneristen_, mechanical rimesters; Hübner was the author of
a dictionary of rimes.
10: _Odermusen_; ‘muses of the Oder’ and ‘tongues of the Sudeti’
are both names for the later Silesian poets.
11: _Kunst der Pleisse_, Leipzig’s art.
12: _Wenn es brennte_ = _wenn es drauf ankäme_.
13: _Dedekindens_; C. C. Dedekind was a facile but vacuous
rimester.]
+LXI. JOHANN CHRISTIAN GÜNTHER+
A gifted lyric poet whose life was short and full of trouble
(1695-1723). In an age of poetic artificiality and pretense his verse is
generally simple, sincere, and passionate. His work is mainly a record
of suffering, the note of joy being relatively infrequent. He is a
forerunner of those modern poets of whom one may say with Goethe’s
Tasso: _Mir gab ein Gott zu sagen, wie ich leide._ The text follows
Fulda’s edition in Kürschner’s _Nationalliteratur_, Vol. 38.
+1+
+Studentenlied.+
Brüder, lasst uns lustig sein,
Weil der Frühling währet
Und der Jugend Sonnenschein
Unser Laub verkläret;
Grab und Bahre warten nicht; 5
Wer die Rosen jetzo bricht,
Dem ist der Kranz bescheret.
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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