Geh, Schönheit, und fleuch!
Die artigsten Blicke 20
Sind schmerzliche Stricke.
Ich merke den Streich,
Es lodern die Briefe, der Ring bricht entzwei
Und zeigt meiner Schönen: Nun leb’ ich recht frei.
Nun leb’ ich recht frei 25
Und schwöre von Herzen,
Dass Küssen und Scherzen
Ein Narrenspiel sei;
Denn wer sich verliebet, der ist wohl nicht klug;
Geh, falsche Sirene, ich habe genug! 30
+4+
+An Leonoren.+
Als er sie einer beständigen Liebe versicherte.
Treuer Sinn,
Wirf den falschen Kummer hin.
Lass den Zweifel der Gedanken
Nicht mit meiner Liebe zanken,
Da ich längst dein Opfer bin. 5
Glück und Zeit
Hasset die Beständigkeit;
Doch das Feuer, so ich fühle,
Hat die Ewigkeit zum Ziele
Und verblendet selbst den Neid. 10
Meine Glut
Leidet keinen Wankelmut;
Eher soll die Sonn’ erfrieren,
Als die Falschheit mich verführen,
Eher löscht mein eigen Blut. 15
Grab und Stein
Adeln selbst mein Redlichsein.
Bricht mir gleich der Tod das Herze,
So behält die Liebeskerze
In der Asche doch den Schein. 20
+5+
+An Leonoren.+
Gedenk an mich und meine Liebe,
Du mit Gewalt entrissnes Kind,
Und glaube, dass die reinen Triebe
Dir jetzt und allzeit dienstbar sind,
Und dass ich ewig auf der Erde 5
Sonst nichts als dich verehren werde.
Gedenk an mich in allem Leiden
Und tröste dich mit meiner Treu!
Die Luft mag jetzt empfindlich schneiden,
Die Wetter gehn doch all vorbei, 10
Und nach dem ungeheuren Knallen
Wird auch ein fruchtbar Regen fallen.
Gedenk an mich in deinem Glücke,
Und wenn es dir nach Wunsche geht,
So setze nie den Freund zurücke, 15
Der bloss um dich in Sorgen steht!
Auch mir kann bei dem besten Leben
Nichts mehr als du Entzückung geben.
Gedenk an mich in deinem Sterben;
Der Himmel halte dies noch auf; 20
Doch sollen wir uns nicht erwerben,
Und zürnt der Sterne böser Lauf,
So soll mir auch das Sterbekissen
Die Hinfahrt durch dein Bild versüssen.
Gedenk an mich und meine Thränen, 25
Die dir so oft das Herz gerührt
Und die dich durch mein kräftig Sehnen
Zum ersten auf die Bahn geführt,
Wo Kuss und Liebe treuer Herzen
Des Lebens Ungemach verschmerzen. 30
Gedenk auch, endlich an die Stunde,
Die mir das Herz vor Wehmut brach,
Als ich, wie du, mit schwachem Munde
Die letzten Abschiedsworte sprach;
Gedenk an mich und meine Plagen! 35
Mehr will und kann ich jetzt nicht sagen.
+6+
+An seine Leonore.+
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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