natürlich redet, welche die Menschen bewundern und gross nennen. Weil
nun Opitz natürlicher, und welches nichts anders saget, annehmlicher,
delicater und höcher ist, als Menantes, so heisst er mir auch ein
besserer Poet als Menantes. Dass aber Opitz natürlicher dichtet als der
andere, ist dieses die Ursache, weil er die Imagination mehr poliert und
bereichert hat als dieser; Opitz hat, nemlich, nicht allein mehr Sachen
durch die eigene Erfahrung und die Lesung in seine Imagination
zusammengetragen, sondern er hat noch an denjenigen Sachen, die ihm
aufgestossen, und die Hunolden vielleicht auch in die Sinnen gefallen,
mehrere Seiten und Differenzien wahrgenommen, er hat sie von einer
Situation angeschauet, von welcher sie ihm besser in die Imagination
gefallen sind, und er hat sich länger darüber aufgehalten, indem er sie
mit einer sorgfältigern Curiosität betrachtet und durchgesuchet hat.
Also hat er erstlich eine nähere und vollkommnere Kenntniss der Objecten
erworben, und hernach hat er eben darum auch gewissere und vollkommnere
Beschreibungen machen können, in welchen die wahre Proportion und
Eigenschafften der Sachen bemercket, und derselben Seiten ohne Ermangeln
abgezehlet worden.
Ihr erkennet aus diesem die Nothwendigkeit, und was es contribuiert
natürlich schreiben zu lernen, dass ein Schüler der Natur sich wisse
über den aufstossenden Objecten zufixieren, und sie in einer solchen
Postur anzuschauen, in welcher ihm kein Theil und keine Seiten derselben
kan verborgen bleiben; er muss so nahe zu derselben tretten, und die
Augen so wol offen behalten, dass ihm weder die allzuweite Entfernung
sie kleiner machet, noch die Nähe mit einem Nebel überziehet. Wenn ich
jetz ferner untersuche, warum Opitz die Imagination freyer und
ungebundener bewahret, und die Distractionen ausgewichen habe, welche
Hunolden die Menge der Objecten und andere Umstände erwecket haben, so
finde ich keine andere Ursache, als weil Opitz von diesen belebten
Seelen gewesen, welche weit zärtlichern und hitzigern Affecten
unterworffen sind, und viel geschwinder Feuer, oder dass ich ohne
Metaphora rede, Liebe für ein Objectum fangen, als andere unachtsame und
dumme Leute; denn es ist im übrigen gewiss, dass wir uns um eine Sache,
für die wir passioniert sind, weit mehr interessieren, und weit mehr
Curiositet und Fleiss haben, sie anzuschauen, folglich auch die
Imagination damit mehr anfüllen, als wir bey einem Objecte thun, für das
wir indifferent sind. Ein Amant wird von der Schönheit seiner
Buhlschäfft eine ähnlichere und natürlichere Beschreibung machen, als
ein jedweder andrer, dem sie nicht so starck an das Hertze gewachsen
ist. Ihr werdet einen Affect allezeit natürlicher ausdrücken, den ihr in
dem Hertzen fühlet, als den ihr nur simulieret. Die Leidenschafft wird
euch im ersten Fall alle Figuren der Rhetoric auf die Zunge legen, ohne
dass ihr sie studieret. Zertheilet und erleset die Harangue einer
Frauen, die ihre Magd von Hertzen ausschiltet, ihr werdet es also
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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