“Fern sei, was du geredet!
O wolle nicht falsch mich verstehen!
Kund ist dir, dass ich nie mit verstelltem Herzen gesprochen;
Glaube mir nur, es steckt nicht Trug noch Falsches dahinter.
Niemand ist in der Näh’, wir sind hier beide alleine.
Wenn ich wüsste, du wärst mir geneigt mit ergebenem Herzen, 245
Und du würdest verschweigen die klug ersonnenen Pläne,
Wollte ich dir entdecken ein jedes Geheimnis des Herzens.”
Da nun begann das Mädchen, die Kniee des Jünglings umfassend:
“Alles, wozu du mich rufst,
will ich gern, mein Gebieter, erfüllen
Und will nichts in der Welt vorziehn den wilkommnen Befehlen.” 250
Jener darauf: “Mit Verdruss ertrage ich unsre Verbannung
Und gedenke gar oft der verlassenen Marken der Heimat.
Drum begehre ich, bald zu heimlicher Flucht mich zu rüsten.
Lange zuvor schon wäre dazu ich imstande gewesen,
Doch es schmerzte mich tief, dass allein Hildgunde zurückblieb.” 255
Also redete drauf aus innerstem Herzen das Mägdlein:
“Was du begehrst, will ich, das ist mein einzig Verlangen.
Drum befiehl nur, o Herr; ob Glück uns werde, ob Unglück,
Gerne bin ich bereit, es dir zu Liebe zu tragen.”
Walter raunte der Maid in das Ohr nun folgende Worte: 260
“Siehe, es trug der Herrscher dir auf, der Schätze zu hüten;
Drum behalte es wohl und merke es dir, was ich sage:
Nimm vor allem den Helm und das Eisengewand des Gebieters,
Aus drei Drähten gewirkt,
mit dem Zeichen der Schmiede versehen,
Wähle auch zwei von den Schreinen dir aus von mässigem Umfang, 265
Fülle in diese sodann so viel der pannonischen[2] Spangen,
Dass du einen zur Not bis zum Busen zu heben vermögest.
Dann verfertige mir noch vier Paar Schuhe, wie bräuchlich,
Dir die nämliche Zahl und lege sie auch in die Truhen,
Und so werden dieselben vielleicht bis zum Rande gefüllt sein. 270
Heimlich bestelle dir auch bei Schmieden gebogene Angeln:
Fische müssen uns Zehrung sein auf dem Wege und Vögel;
Vogelsteller und Fischer zu sein, bin ich selber genötigt.
Alles dieses besorge du klug im Verlaufe der Woche.
Nunmehr hast du gehört, was uns auf der Reise vonnöten. 275
Jetzt verkünde ich dir, wie die Flucht wir mögen bereiten:
Wenn zum siebenten Mal den Kreislauf Phöbus vollendet,
Werd’ ich dem König,
der Königin auch und den Fürsten und Dienern
Rüsten ein fröhliches Mal mit aussergewöhnlichem Aufwand
Und mich mit Eifer bemühn,
durch Getränk sie in Schlaf zu versenken, 280
Bis nicht einer imstande zu merken, was ferner noch vorgeht.
Du magst aber indes nur mässig des Weines geniessen,
Und nur eben bei Tische
den Durst zu vertreiben bestrebt sein.
Stehen die anderen auf,[3] so eile zum Werk, dem bewussten.
Aber sobald des Trankes Gewalt dann alle bezwungen, 285
Eilen wir beide zugleich, die westlichen Lande zu suchen.”
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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