Ihr, deren zweifelhaft Leben gleich trüben Tagen des Winters
Ohn’ Licht und Freude verfliesst, die ihr in Höhlen des Elends
Die finstern Stunden verzeufzt, betrachtet die Jugend des Jahres!
Dreht jetzt die Augen umher, lasst tausend farbichte Scenen
Die schwarzen Bilder verfärben! Es mag die niedrige Ruhmsucht, 35
Die schwache Rachgier, der Geiz
und seufzender Blutdurst sich härmen;
Ihr seid zur Freude geschaffen,
der Schmerz schimpft Tugend und Unschuld.
Saugt Lust und Anmut in euch! Schaut her, sie gleitet im Luftkreis
Und grünt und rieselt im Thal. Und ihr, ihr Bilder des Frühlings,
Ihr blühenden Schönen, flieht jetzt den atemraubenden Aushauch 40
Von güldnen Kerkern der Städte! Kommt, kommt in winkende Felder!
Kommt, überlasset dem Zephyr die kleinen Wellen der Locken,
Seht euch in Seen und Bächen, gleich jungen Blumen des Ufers!
Pflückt Morgentulpen voll Tau, und ziert den wallenden Busen!
Hier, wo das hohe Gebirge, bekleidet mit Sträuchen und Tannen, 45
Zur Hälfte den bläulichen Strom, sich drüber neigend, beschattet,
Will ich ins Grüne mich setzen auf seinen Gipfel und um mich
Thal und Gefilde beschauen. O, welch ein frohes Gewühle
Belebt das streifichte Land! Wie lieblich lächelt die Anmut
Aus Wald und Büschen hervor! Ein Zaun von blühenden Dornen 50
Umschliesst und rötet ringsum die sich verlierende Weite,
Vom niedrigen Himmel gedrückt. Von bunten Mohnblumen laufen,
Mit grünem Weizen versetzt, sich schmälernde Beete ins Ferne,
Durchkreuzt von blühendem Flachs.
Feldrosen-Hecken und Schlehstrauch,
In Blüten gleichsam gehüllt, umkränzen die Spiegel der Teiche 55
Und sehn sich drinnen. Zur Seite blitzt aus dem grünlichen Meere
Ein Meer voll güldner Strahlen durch Phöbus’ glänzenden Anblick.
Es schimmert sein gelbes Gestade
von Muscheln und farbichten Steinen,
Und Lieb’ und Freude durchtaumelt in kleiner Fische Geschwadern
Und in den Riesen des Wassers die unabsehliche Fläche. 60
Auf fernen Wiesen am See stehn majestätische Rosse;
Sie werfen den Nacken empor und fliehn und wiehern vor Wollust,
Dass Hain und Felsen erschallt. Gefleckte Kühe durchwaten,
Geführt vom ernsthaften Stier, des Meierhofs büschichte Sümpfe,
Der finstre Linden durchsieht. Ein Gang von Espen und Ulmen 65
Führt zu ihm, welchen ein Bach
durchblinkt, in Binsen sich windend,
Von Reihern und Schwänen bewohnt. Gebirge, die Brüste der Reben,
Stehn fröhlich um ihn herum; sie ragen über den Buchwald,
Des Hügels Krone, davon ein Teil im Sonnenschein lächelt
Und glänzt, der andere trau’rt im Flor vom Schatten der Wolken. 70
Die Lerche steigt in die Luft,
sieht unter sich Klippen und Thäler;
Entzückung tönet aus ihr. Der Klang des wirbelnden Liedes
Ergetzt den ackernden Landmann.
Er horcht eine Weile; dann lehnt er
Sich auf den gleitenden Pflug, zieht braune Felsen ins Erdreich.
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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