Wenn dann du dastehst jugendlich auferweckt,
Dann eil’ ich zu dir! säume nicht, bis mich erst 30
Ein Seraph bei der Rechten fasse,
Und mich, Unsterbliche, zu dir führe.
Dann soll dein Bruder, innig von mir umarmt,
Zu dir auch eilen! dann will ich tränenvoll,
Voll froher Tränen jenes Lebens 35
Neben dir stehn, dich mit Namen nennen,
Und dich umarmen! Dann, o Unsterblichkeit,
Gehörst du ganz uns! Kommt, die das Lied nicht singt,
Kommt unaussprechlich süsse Freuden!
So unaussprechlich, als jetzt mein Schmerz ist. 40
Rinn, unterdes, o Leben! Sie kommt gewiss,
Die Stunde, die uns nach der Zypresse ruft.
Ihr andern, seid der schwermutsvollen
Liebe geweiht, und umwölkt und dunkel!
[Notes:
6: The ode dates from 1748. Fanny Schmidt was a young woman whose
indifference to Klopstock’s devotion threw him back on the hope of
a union in heaven.
7: _Jünglingsträne_; tears of high poetic aspiration.
8: _Beglückteren_, ‘more blest’ with this world’s goods.]
+4+
+Hermann und Thusnelda.+
Ha, dort kömmt er mit Schweiss, mit Römerblute,[9]
Mit dem Staube der Schlacht bedeckt! So schön war
Hermann niemals! So hat’s ihm
Nie von dem Auge geflammt!
Komm, ich bebe vor Lust! reich mir den Adler 5
Und das triefende Schwert! Komm, atm’, und ruh’ hier
Aus in meiner Umarmung,
Von der zu schrecklichen Schlacht!
Ruh’ hier, dass ich den Schweiss der Stirn abtrockne,
Und der Wange das Blut! Wie glüht die Wange! 10
Hermann! Hermann! So hat dich
Niemals Thusnelda geliebt!
Selbst nicht, da du zuerst im Eichenschatten
Mit dem bräunlichen Arm mich wilder fasstest!
Fliehend blieb ich, und sah dir 15
Schon die Unsterblichkeit an,
Die nun dein ist! Erzählt’s in allen Hainen,
Dass Augustus nun bang mit seinen Göttern
Nektar trinket! Dass Hermann,
Hermann unsterblicher ist! 20
“Warum lockst du mein Haar? Liegt nicht der stumme
Tote Vater vor uns? O hätt’ Augustus
Seine Heere geführt, er
Läge noch blutiger da.”
Lass dein sinkendes Haar mich, Hermann, heben, 25
Dass es über dem Kranz in Locken drohe!
Siegmar ist bei den Göttern!
Folg’ du, und wein’ ihm nicht nach!
[Notes:
9: Thusnelda greets her husband on his return from the victory
over the Roman legions under Quinctilius Varus in the Teutoburg
Wood.]
+LXXI. CHRISTOPH MARTIN WIELAND+
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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