1733-1813. Wieland’s great service is to have set forth the cultural
problems and tendencies of the Age of Reason in an attractive literary
form. His most important imaginative works are prose tales and narrative
poems having a Greek, a medieval, or an Oriental setting, but dealing in
reality with living issues of his own day. His _Agathon_ (1766-1794)
marks the beginning of the German _Bildungsroman_. He had much in common
with the Gallic genius and was widely read in French translations--the
first German to attain that distinction. During the last quarter of the
18th century he was the most popular and influential of German writers.
1
_From ‘Musarion,’ lines 1385-1446; The happy estate of the converted
Phanias._[1]
Der schönste Tag folgt dieser schönen Nacht. 1385
Mit jedem folgenden find’t jedes sich beglückter,
Indem es sich im andern glücklich macht.
Durch überstandne Not geschickter
Zum weiseren Gebrauch, zum reizendern Genuss
Des Glücks, das, sich mit ihm so unverhofft versöhnte, 1390
Gleich fern von Dürftigkeit und stolzem Überfluss;
Glückselig, weil er’s war, nicht weil die Welt es wähnte,
Bringt Phanias in neidenswerter Ruh
Ein unbeneidet Leben zu,
In Freuden, die der unverfälschte Stempel 1395
Der Unschuld und Natur zu echten Freuden prägt.
Der bürgerliche Sturm, der stets Athen bewegt,
Trifft seine Hütte nicht--den Tempel
Der Grazien, seitdem Musarion sie ziert.
Bescheidne Gunst, durch ihren Witz geleitet, 1400
Gibt der Natur, so weit sein Landgut sich verbreitet,
Den stillen Reiz, der ohne Schimmer rührt.
Ein Garten, den mit Zephyrn und mit Floren
Pomona sich zum Aufenthalt erkoren;
Ein Hain, worin sich Amor gern verliert, 1405
Wo ernstes Denken oft mit leichtem Scherz sich gattet;
Ein kleiner Bach, von Ulmen überschattet,
An dem der Mittagsschlaf uns ungesucht beschleicht;--
Im Garten eine Sommerlaube,
Wo, zu der Freundin Kuss, der Saft der Purpurtraube, 1410
Den Thasos schickt, ihm wahrer Nektar deucht;
Ein Nachbar, der Horazens Nachbarn gleicht,
Gesundes Blut, ein unbewölkt Gehirne,
Ein ruhig Herz und eine heitre Stirne--
Wie vieles macht ihn reich!--denkt noch Musarion 1415
Hinzu, und sagt, was kann zum frohen Leben
Der Götter Gunst ihm mehr und Bessers geben?
Die Weisheit nur, den ganzen Wert davon
Zu fühlen, immer ihn zu fühlen,
Und, seines Glückes froh, kein andres zu erzielen; 1420
Auch diese gab sie ihm. Sein Mentor war
Kein Cyniker mit ungekämmtem Haar,
Kein runzlichter Cleanth,[2] der, wenn die Flasche blinkt,
Wie Zeno spricht und wie Silenus trinkt;
Die Liebe war’s--wer lehrt so gut wie sie? 1425
Auch lernt’ er gern, und schnell, und sonder Müh,
Die reizende Philosophie,
Die, was Natur und Schicksal uns gewährt,
Vergnügt geniesst, und gern den Rest entbehrt;
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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