Von diesem Augenblick an fühle ich, dass der Geist allein mein wahres
Ich sein kann, dass nur seine Geschäfte, sein Wohlstand, seine
Glückseligkeit, die meinigen sind; dass es Unsinn wäre, wenn er einen
Körper, der ihm bloss als Organ zur Entwicklung und Anwendung seiner
Kraft und zu Vermittlung seiner Gemeinschaft und Verbindung mit den
übrigen Wesen zugegeben ist, als einen wirklichen Teil seiner selbst
betrachten, und das Tier, das ihm dienen soll, als seinesgleichen
behandeln wollte; aber mehr als Unsinn, Verbrechen gegen das heiligste
aller Naturgesetze, wenn er ihm die Herrschaft über sich einräumen, oder
sich in ein schnödes Bündnis gegen sich selbst mit ihm einlassen, eine
Art von Centaur aus sich machen, und die Dienste, die ihm das Tier zu
leisten genötigt ist, durch seiner selbst unwürdige Gegendienste
erwiedern wollte.
Von diesem Augenblick an, da mein Rang in der Schöpfung, die Würde eines
Bürgers der Stadt Gottes, die mich zum Genossen einer höhern Ordnung der
Dinge macht, entschieden ist, gehöre ich nicht mir selbst, nicht einer
Familie, nicht einer besondern Bürgergesellschaft, nicht einer einzelnen
Gattung, noch dem Erdschollen, den ich mein Vaterland nenne,
ausschliesslich an: ich gehöre mit allen meinen Kräften dem grossen
Ganzen an, worin mir mein Platz, meine Bestimmung, meine Pflicht, von
dem einzigen Oberherrn, den ich über mir erkennen darf, angewiesen ist.
Aber eben darum, und nur darum, weil in diesem Erdenleben mein Vaterland
der mir unmittelbar angewiesene Posten, meine Hausgenossen, Mitbürger,
Mitmenschen, diejenigen sind, auf welche sich meine Tätigkeit sich
zunächst beziehen soll, erkenne ich mich verbunden, alles mir Mögliche
zu ihrem Besten zu tun und zu leiden, sofern keine höhere Pflicht
dadurch verletzt wird. Denn von diesem Augenblick an sind Wahrheit,
Gerechtigkeit, Ordnung, Harmonie und Vollkommenheit, ohne eigennützige
Rücksicht auf mich selbst, die höchsten Gegenstände meiner Liebe; ist
das Bestreben, diese reinsten Ausstrahlungen der Gottheit in mir zu
sammeln und ausser mir zu verbreiten, mein letzter Zweck, die Regel
aller meiner Handlungen, die Norm aller Gesetze, zu deren Befolgung ich
mich verbindlich machen darf. Mein Vaterland hat alles von mir zu
fordern, was dieser höchsten Pflicht nicht widerspricht: aber sobald
sein vermeintes Interesse eine ungerechte Handlung von mir forderte, so
hörten für diesen Moment alle seine Ansprüche an mich auf, und wenn
Verlust meiner Güter, Verbannung und der Tod selbst auf meiner Weigerung
stände, so wäre Armut, Verbannung und Tod der beste Teil, den ich wählen
könnte.
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
Reviews
Reviews
No reviews yet
Be the first to share your thoughts on this work.
Elsewhere in the archive
Join the Discussion
Join the discussion
Sign in to leave a comment or review.
Sign InorCreate an account