Welcher zurück sich zieht vor der hoch erhobenen Waffe,
Springt dann hinzu und presst
mit dem Fuss die entrissene Lanze,
Und dem König, ertappt bei dem Raub, schreit so er entgegen, 1325
Dass dem wanken die Kniee,
als wär’ er durchbohrt von dem Speere.
Und er hätte ihn flugs zum hungrigen Orkus gesendet,
Wäre nicht schnell zur Hilfe geeilt der waffengewalt’ge
Hagen, den Herrn mit dem Schild
beschützend und wider des Gegners
Haupt die entblösste Schärfe
des schrecklichen Schwertes erhebend. 1330
Während Walter dem Hieb ausweicht, erhebt sich der andre;
Kaum entronnen dem Tod, steht dort er betroffen und zitternd.
Doch nicht Rast noch Verzug;
es erneut sich die bittere Fehde.
Bald bestürmen den Mann sie vereinzelt, bald in Gemeinschaft,
Und indes er voll Eifer zum einen sich wendet, der anstürmt, 1335
Springt der andere ihm in die Quere, die Streiche vereitelnd.
So steht, wenn man ihn hetzt,
der numidische Bär, von den Hunden
Rings im Kreise umstellt, mit drohend erhobenen Pranken,
Duckt mit Gebrumme das Haupt und zwingt die umbrische Meute,
Wenn sie sich naht, zu klagen und winseln in seiner Umarmung; 1340
Dann umbellen ihn rings aus der Nähe die wilden Molosser,[7]
Und es schreckt sie die Furcht,
zu nahen dem grausigen Untier.
Also wogte der Kampf bis zur neunten Stunde des Tages.
Dreifach war die Not, die sie alle zusammen erlitten:
Furcht vor dem Tode, Beschwerde des Kampfs und glühende Sonne. 1345
Aber indessen beschlich ein Gedanke die Seele des Helden,
Welcher im schweigenden Busen jedoch die Worte zurückhielt:
Zeigt nicht andere Wege das Glück, so werden die Gegner
Mich, den Ermüdeten, noch durch eitele Listen berücken.
Also sprach er daher mit erhobener Stimme zu Hagen: 1350
“Hagedorn,[8] grün zwar stehst du im Laub
und vermöchtest zu stechen,
Doch du versuchst mich zu täuschen voll List
mit possierlichen Sprüngen.
Aber ich gebe dir Raum,
dass du näher zu kommen nicht zauderst,
Und dann zeig’ die gewaltige Kraft,
die so wohl mir bekannt ist;
Mich verdriesst’s, so gewalt’ge Beschwer
vergeblich zu tragen.” 1355
Sprach’s und im Sprunge sich hebend,
entsandt’ er auf jenen die Lanze,
Welche den Schild durchschlägt,
ein wenig vom Panzer mit fortreisst,
Doch den gewaltigen Leib des Gegners nur mässig verwundet,
Denn er strahlte, bewehrt mit auserlesenen Waffen.
Doch als Walter, der Held, die Lanze versendet, da stürmt er 1360
Mit dem gezogenen Schwerte in ungestümerem Andrang
Los auf den König,
und als er den Schild ihm zur Seite gedrängt hat,
Trifft er also gewaltig und staunenerregend den Gegner,
Dass er das ganze Bein
mit dem Knie bis zum Schenkel ihm abschlägt;
Über den Schildrand stürzt er alsbald zu den Füssen ihm nieder. 1365
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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