Ich finde, Homer malet nichts als fortschreitende Handlungen, und alle
Körper, alle einzelne Dinge, malet er nur durch ihren Anteil an diesen
Handlungen, gemeiniglich nur mit Einem Zuge. Was Wunder also, dass der
Maler da, wo Homer malet, wenig oder nichts für sich zu tun siehet, und
dass seine Ernte nur da ist, wo die Geschichte eine Menge schöner Körper
in schönen Stellungen in einem der Kunst vorteilhaften Raume
zusammenbringt, der Dichter selbst mag diese Körper, diese Stellungen,
diesen Raum, so wenig malen, als er will.
[Notes:
6: _Die Sache_ is the fundamental difference between plastic art
(_Malerei_) and poetry.]
+LXXIII. JOHANN GOTTFRIED HERDER+
1744-1803. Herder’s was the first strong voice to be raised in protest
against the inveterate illusion of his countrymen that excellence in
poetry depended on the imitation of good models. He took a deep interest
in the poetry of primitive and unlettered men, and deduced from that his
criteria of excellence; namely, sincerity, naturalness, strength and
fulness of expression. The virtue of the greatest poets, such as Homer,
Shakspere and Ossian, lay--so he said--in the fulness and fidelity with
which they had felt and expressed the life of their nation and their
epoch. Thus he became the founder of historical criticism and the
harbinger of the coming romantic movement. It was he, more than any one
else, who ushered in the ‘storm and stress’ era, with its watchwords of
nature, power, genius, originality, and its general spirit of protest
against all conventional restrictions.
1
_From ‘Fragments on Recent German Literature’[1]: Poetry as mother
tongue of mankind._
Eine Sprache in ihrer Kindheit bricht, wie ein Kind, einsilbichte, rauhe
und hohe Töne hervor. Eine Nation in ihrem ersten wilden Ursprunge
starret, wie ein Kind, alle Gegenstände an; Schrecken, Furcht, und
alsdenn Bewunderung sind die Empfindungen, derer beide allein fähig
sind, und die Sprache dieser Empfindungen sind Töne,--und Gebärden. Zu
den Tönen sind ihre Werkzeuge noch ungebraucht: folglich sind jene hoch
und mächtig an Accenten; Töne und Gebärden sind Zeichen von
Leidenschaften und Empfindungen, folglich sind sie heftig und stark:
ihre Sprache spricht für Auge und Ohr, für Sinne und Leidenschaften: sie
sind grösserer Leidenschaften fähig, weil ihre Lebensart voll Gefahr und
Tod und Wildheit ist: sie verstehen also auch die Sprache des Affects
mehr als wir, die wir dies Zeitalter nur aus spätern Berichten und
Schlüssen kennen; denn so wenig wir aus unsrer ersten Kindheit Nachricht
durch Erinnerung haben, so wenig sind Nachrichten aus dieser Zeit der
Sprache möglich, da man noch nicht sprach, sondern tönete; da man noch
wenig dachte, aber desto mehr fühlte; und also nichts weniger als
schrieb.
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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