So wie sich das Kind oder die Nation änderte, so mit ihr die Sprache.
Entsetzen, Furcht und Verwunderung verschwand allmählich, da man die
Gegenstände mehr kennen lernte; man ward mit ihnen vertraut und gab
ihnen Namen, Namen, die von der Natur abgezogen waren, und ihr so viel
möglich im Tönen nachahmten. Bei den Gegenständen fürs Auge musste die
Gebärdung noch sehr zu Hilfe kommen, um sich verständlich zu machen: und
ihr ganzes Wörterbuch war noch sinnlich. Ihre Sprachwerkzeuge wurden
biegsamer, und die Accente weniger schreiend. Man sang also, wie viele
Völker es noch tun, und wie es die alten Geschichtschreiber durchgehends
von ihren Vorfahren behaupten. Man pantomimisierte und nahm Körper und
Gebärden zu Hilfe: damals war die Sprache in ihren Verbindungen noch
sehr ungeordnet und unregelmässig in ihren Formen.
Das Kind erhob sich zum Jünglinge: die Wildheit senkte sich zur
politischen Ruhe; die Lebens- und Denkart legte ihr rauschendes Feuer
ab: der Gesang der Sprache floss lieblich von der Zunge herunter, wie
dem Nestor des Homers, und säuselte in die Ohren. Man nahm Begriffe, die
nicht sinnlich waren, in die Sprache; man nannte sie aber, wie von
selbst zu vermuten ist, mit bekannten sinnlichen Namen; daher müssen die
ersten Sprachen bildervoll und reich an Metaphern gewesen sein.
Und dieses jugendliche Sprachalter war bloss das poetische: man sang im
gemeinen Leben, und der Dichter erhöhete nur seine Accente in einem für
das Ohr gewählten Rhythmus: die Sprache war sinnlich und reich an kühnen
Bildern: sie war noch ein Ausdruck der Leidenschaft, sie war noch in den
Verbindungen ungefesselt: der Periode fiel aus einander, wie er wollte!
--Seht! das ist die poetische Sprache, der poetische Periode. Die beste
Blüte der Jugend in der Sprache war die Zeit der Dichter: jetzt sangen
die ἀοιδοί [Greek: aoidoi] und ῥαψῳδοί [Greek: rhapsôdoi]: da es noch
keine Schriftsteller gab, so verewigten sie die merkwürdigen Taten durch
Lieder: durch Gesänge lehrten sie, und in den Gesängen waren nach der
damaligen Zeit der Welt Schlachten und Siege, Fabeln und Sittensprüche,
Gesetze und Mythologie enthalten. Dass dies bei den Griechen so gewesen,
beweisen die Büchertitel der ältesten verlorenen Schriftsteller, und
dass es bei jedem Volk so gewesen, zeugen die ältesten Nachrichten....
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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