Handlung, Leidenschaft, Empfindung!--auch ich liebe sie in Gedichten
über alles: auch ich hasse nichts so sehr als tote stillstehende
Schilderungssucht, insonderheit, wenn sie Seiten, Blätter, Gedichte
einnimmt; aber nicht mit dem tödlichen Hasse, um jedes einzelne
ausführliche Gemälde, wenn es auch coexistent geschildert würde, zu
verbannen; nicht mit dem tödlichen Hasse, um jeden Körper nur mit Einem
Beiworte an der Handlung Teil nehmen zu lassen, und denn auch nicht aus
dem nämlichen Grunde, weil die Poesie in successiven Tönen schildert,
oder weil Homer dies und jenes macht und nicht macht--um deswillen
nicht.
Wenn ich Eins von Homer lerne, so ist’s, dass die Poesie energisch
wirke: nie in der Absicht, um bei dem letzten Zuge ein Werk, Bild,
Gemälde (obwohl successive) zu liefern, sondern, dass schon während der
Energie die ganze Kraft empfunden werden müsse. Ich lerne von Homer,
dass die Wirkung der Poesie nie aufs Ohr, durch Töne, nicht aufs
Gedächtnis, wie lange ich einen Zug aus der Succession behalte, sondern
auf meine Phantasie wirke; von hieraus also, sonst nirgendsher,
berechnet werden müsse. So stelle ich sie gegen die Malerei und beklage,
dass Hr. L. diesen Mittelpunkt des Wesens der Poesie, ‘Wirkung auf unsre
Seele, Energie,’ nicht zum Augenmerke genommen.
[Notes:
2: In his _Kritische Wälder_ (1769) Herder subjected Lessing’s
_Laokoon_ to a searching criticism. The passages here given--see
Suphan’s edition, Vol. 3, pages 139 ff.--are addressed to the
theory advanced in the last of the foregoing selections from
Lessing.]
3
_From ‘Correspondence concerning Ossian and the Songs of Ancient
Peoples’[3]: The poetic superiority of ‘wild’ folk._
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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