Pfui! wie sieht so ein Menschenwerk und so ein schlechtes notgedrungenes
Menschenwerk, so ein schwarzes Städtchen, so ein Schindel- und
Steinhaufen, mitten in der grossen herrlichen Natur aus! Grosse Kiesel-
und andere Steine auf den Dächern, dass ja der Sturm ihnen die traurige
Decke nicht vom Kopfe wegführe, und den Schmutz, den Mist! und staunende
Wahnsinnige! --Wo man den Menschen nur wieder begegnet, möchte man von
ihnen gleich davon fliehen.
* * *
Dass in den Menschen so viele geistige Anlagen sind, die sie im Leben
nicht entwickeln können, die auf eine bessere Zukunft, auf ein
harmonisches Dasein deuten, darin sind wir einig, mein Freund, und meine
andere Grille kann ich auch nicht aufgeben, ob du mich gleich schon oft
für einen Schwärmer erklärt hast. Wir fühlen auch die Ahnung
körperlicher Anlagen, auf deren Entwickelung wir in diesem Leben
Verzicht tun müssen: so ist es ganz gewiss mit dem Fliegen. So wie mich
sonst die Wolken schon reizten, mit ihnen fort in fremde Länder zu
ziehen, wenn sie hoch über meinem Haupte wegzogen, so steh’ ich jetzt
oft in Gefahr, dass sie mich von einer Felsenspitze mitnehmen, wenn sie
an mir vorbeiziehen. Welche Begierde fühl’ ich, mich in den unendlichen
Luftraum zu stürzen, über den schauerlichen Abgründen zu schweben und
mich auf einen unzugänglichen Felsen niederzulassen. Mit welchem
Verlangen hol’ ich tiefer und tiefer Atem, wenn der Adler in dunkler
blauer Tiefe, unter mir, über Felsen und Wäldern schwebt, und in
Gesellschaft eines Weibchens um den Gipfel, dem er seinen Horst und
seine Jungen anvertraut hat, grosse Kreise in sanfter Eintracht zieht.
Soll ich denn nur immer die Höhe erkriechen, am höchsten Felsen wie am
niedrigsten Boden kleben, und wenn ich mühselig mein Ziel erreicht habe,
mich ängstlich anklammern, vor der Rückkehr schaudern und vor dem Falle
zittern?
[Notes:
1: The _Briefe aus der Schweiz_, in two parts, were first
published in 1808 as an ‘appendix’ to _Werther_. They were said to
be ‘from Werther’s papers.’ In substance and sentiment, if not in
form, they reproduce real letters written by Goethe in his youth.]
12
_From ‘Faust’: ‘Feeling is everything.’_
MARGARETE
Versprich mir, Heinrich!
FAUST
Was ich kann!
MARGARETE
Nun sag’, wie hast du’s mit der Religion?
Du bist ein herzlich guter Mann,
Allein ich glaub’, du hältst nicht viel davon.
FAUST
Lass das, mein Kind! Du fühlst, ich bin dir gut; 5
Für meine Lieben liess’ ich Leib und Blut,
Will niemand sein Gefühl und seine Kirche rauben.
MARGARETE
Das ist nicht recht, man muss dran glauben!
FAUST
Muss man?
MARGARETE
Ach! wenn ich etwas auf dich könnte!
Du ehrst auch nicht die heilgen Sacramente. 10
FAUST
Ich ehre sie.
MARGARETE
Doch ohne Verlangen.
Zur Messe, zur Beichte bist du lange nicht gegangen
Glaubst du an Gott?
FAUST
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
Reviews
Reviews
No reviews yet
Be the first to share your thoughts on this work.
Elsewhere in the archive
Join the Discussion
Join the discussion
Sign in to leave a comment or review.
Sign InorCreate an account