Mein Liebchen, wer darf sagen:
Ich glaub’ an Gott?
Magst Priester oder Weise fragen, 15
Und ihre Antwort scheint nur Spott
Über den Frager zu sein.
MARGARETE
So glaubst du nicht?
FAUST
Mishör’ mich nicht, du holdes Angesicht!
Wer darf ihn nennen?
Und wer bekennen: 20
Ich glaub’ ihn?
Wer empfinden
Und sich unterwinden
Zu sagen: ich glaub’ ihn nicht?
Der Allumfasser, 25
Der Allerhalter,
Fasst und erhält er nicht
Dich, mich, sich selbst?
Wölbt sich der Himmel nicht da droben?
Liegt die Erde nicht hierunten fest? 30
Und steigen freundlich blickend
Ewige Sterne nicht herauf?
Schau’ ich nicht Aug’ in Auge dir,
Und drängt nicht alles
Nach Haupt und Herzen dir, 35
Und webt in ewigem Geheimnis
Unsichtbar sichtbar neben dir?
Erfüll’ davon dein Herz, so gross es ist,
Und wenn du ganz in dem Gefühle selig bist,
Nenn’s Glück! Herz! Liebe! Gott! 40
Ich habe keinen Namen
Dafür! Gefühl ist alles;
Name ist Schall und Rauch,
Umnebelnd Himmelsglut.
MARGARETE
Das ist alles recht schön und gut; 45
Ungefähr sagt das der Pfarrer auch,
Nur mit ein bischen andern Worten.
FAUST
Es sagen’s aller Orten
Alle Herzen unter dem himmlischen Tage,
Jedes in seiner Sprache; 50
Warum nicht ich in der meinen?
MARGARETE
Wenn man’s so hört, möcht’s leidlich scheinen,
Steht aber doch immer schief darum;
Denn du hast kein Christentum.
+LXXV. MINOR DRAMATISTS OF THE STORM AND STRESS ERA+
The name ‘Storm and Stress,’ derived from a play of Klinger (see below),
has long been in use to denote the insurgent spirit of the youthful
Goethe (beginning with _Götz von Berlichingen_ in 1773), and of certain
other writers who followed in his wake. Aside from Schiller, whose early
plays are the strongest expression of the revolutionary tendencies, the
other more important names are Klinger, Wagner, Lenz, Leisewitz, and
Maler Müller. Their favorite form was the prose tragedy of middle-class
life. They wrote of crime and remorse; of fratricide, seduction, rape
and child-murder; of class conflict, and of fierce passion at war with
the social order. While their plays were meant to exemplify a fearless
‘naturalism,’ the language is often unnaturally extravagant and the
plots wildly improbable. For the texts see Kürschner’s
_Nationalliteratur_, Vols. 79-81.
1
_From Klinger’s ‘Storm and Stress,’ Act 1, Scene 1._[1]
Zimmer im Gasthofe.
WILD, LA FEU, BLASIUS (_treten auf in Reisekleidern_).
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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