WILD. Heida! nun einmal in Tumult und Lärmen, dass die Sinnen
herumfahren wie Dachfahnen beim Sturm! Das wilde Geräusch hat mir schon
so viel Wohlsein entgegengebrüllt, dass mir’s wirklich ein wenig anfängt
besser zu werden. Soviel hundert Meilen gereiset, um dich in
vergessenden Lärmen zu bringen--tolles Herz! du sollst mir’s danken! Ha!
tobe und spanne dich dann aus, labe dich im Wirrwar! --Wie ist’s euch?
BLASIUS. Geh zum Teufel! Kommt meine Donna nach?
LA FEU. Mach dir Illusion, Narr! Sollt’ mir nicht fehlen, sie von meinem
Nagel in mich zu schlürfen, wie einen Tropfen Wasser. Es lebe die
Illusion! --Ei, ei! Zauber meiner Phantasie, wandle in den Rosengärten
von Phyllis’ Hand geführt--
WILD. Stärk’ dich Apoll, närrischer Junge!
LA FEU. Es soll mir nicht fehlen, das schwarze verrauchte Haus
gegenüber, mitsamt dem alten Turm, in ein Feenschloss zu verwandeln.
Zauber, Zauberphantasie!-- (_lauschend_) Welch lieblich geistige
Symphonieen treffen mein Ohr? --Beim Amor! ich will mich wie ein alt
Weib verlieben, in einem alten baufälligen Haus wohnen, meinen zarten
Leib in stinkenden Mistlaken baden, bloss um meine Phantasie zu scheren.
Ist keine alte Hexe da, mit der ich scharmieren könnte? Ihre Runzeln
sollen mir zu Wellenlinien der Schönheit werden; ihre herausstehende
schwarze Zähne zu marmornen Säulen an Dianens Tempel; ihre herabhangende
lederne Zitzen Helenens Busen übertreffen. Einen so aufzutrocknen, wie
mich! --He, meine phantastische Göttin! --Wild, ich kann dir sagen, ich
hab’ mich brav gehalten die Tour her. Hab’ Dinge gesehen, gefühlt, die
kein Hund geschmeckt, keine Nase gerochen, kein Aug gesehen, kein Geist
erschwungen--
WILD. Besonders wenn ich dir die Augen zuband. Ha! Ha!
LA FEU. Zum Orcus! du Ungestüm! --Aber sag’ mir nun auch einmal, wo sind
wir in der wirklichen Welt jetzt? In London doch?
WILD. Freilich. Merktest du denn nicht, dass wir uns einschifften? Du
warst ja seekrank.
LA FEU. Weiss von allem nichts, bin an allem unschuldig. --Lebt denn
mein Vater noch? Schick doch einmal zu ihm, Wild, und lass ihm sagen,
sein Sohn lebe noch. Käme soeben von den Pyrenäischen Gebirgen aus
Friesland. Weiter nichts.
WILD. Aus Friesland?
LA FEU. In welchem Viertel der Stadt sind wir dann?
WILD. In einem Feenschloss, La Feu! Siehst du nicht den goldnen Himmel?
die Amors und Amouretten? die Damen und Zwergchen?
LA FEU. Bind’ mir die Augen zu! (_Wild bindet ihm zu._) Wild! Esel!
Ochse! nicht zu hart! (_Wild bindet ihn los._) He! Blasius, lieber,
bissiger, kranker Blasius, wo sind wir?
BLASIUS. Was weiss ich?
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
Reviews
Reviews
No reviews yet
Be the first to share your thoughts on this work.
Elsewhere in the archive
Join the Discussion
Join the discussion
Sign in to leave a comment or review.
Sign InorCreate an account