WILD. Um euch einmal aus dem Traum zu helfen, so wisst, dass ich euch
aus Russland nach Spanien führte, weil ich glaubte, der König fange mit
dem Mogol Krieg an. Wie aber die spanische Nation träge ist, so war’s
auch hier. Ich packte euch also wieder auf, und nun seid ihr mitten im
Krieg in Amerika. Ha! lass mich’s nur recht fühlen, auf amerikanischem
Boden zu stehen, wo alles neu, alles bedeutend ist. Ich trat ans
Land--O dass ich keine Freude rein fühlen kann!
LA FEU. Krieg und Mord! o meine Gebeine! o meine Schutzgeister! --So gib
mir doch ein Feenmärchen! o weh mir!
BLASIUS. Dass dich der Donner erschlüg’, toller Wild! was hast du wieder
gemacht? Ist Donna Isabella noch? He! willst du reden? meine Donna!
WILD. Ha! Ha! Ha! du wirst ja einmal ordentlich aufgebracht.
BLASIUS. Aufgebracht? Einmal aufgebracht? Du sollst mir’s mit deinem
Leben bezahlen, Wild! Was? bin ich wenigstens ein freier Mensch. Geht
Freundschaft so weit, dass du in deinen Rasereien einen durch die Welt
schleppst wie Kuppelhunde? Uns in die Kutsche zu binden, die Pistole vor
die Stirn zu halten, immer fort, klitsch! klatsch! In der Kutsche essen,
trinken, uns für Rasende auszugeben, In Krieg und Getümmel von meiner
Passion weg, das einzige, was mir übrig blieb--
WILD. Du liebst ja nichts, Blasius.
BLASIUS. Nein, ich liebe nichts. Ich hab’s so weit gebracht, nichts zu
lieben, und im Augenblick alles zu lieben, und im Augenblick alles zu
vergessen. Ich betrüge alle Weiber, dafür betrügen und betrogen mich
alle Weiber. Sie haben mich geschunden und zusammengedrückt, dass Gott
erbarm’! Ich hab’ alle Figuren angenommen. Dort war ich Stutzer, dort
Wildfang, dort tölpisch, dort empfindsam, dort Engelländer, und meine
grösste Conquete machte ich, da ich nichts war. Das war bei Donna
Isabella. Um wieder zurückzukommen--deine Pistolen sind geladen--
WILD. Du bist ein Narr, Blasius, und verstehst keinen Spass.
BLASIUS. Schöner Spass dies! Greif zu! ich bin dein Feind den
Augenblick.
WILD. Mit dir mich schiessen? Sieh, Blasius! Ich wünschte jetzt in der
Welt nichts als mich herumzuschlagen, um meinem Herzen einen
Lieblingsschmaus zu geben. Aber mit dir? Ha! Ha! (_Hält ihm die Pistole
vor._) Sieh ins Mundloch und sag, ob dir’s nicht grösser vorkommt als
ein Tor in London? Sei gescheit, Freund! Ich brauch’ und lieb’ euch
noch, und ihr mich vielleicht auch. Der Teufel konnte keine grössre
Narren und Unglücksvögel zusammen führen als uns. Deswegen müssen wir
zusammen bleiben, und auch des Spasses halben. Unser Unglück kommt aus
unserer eignen Stimmung des Herzens, die Welt hat dabei getan, aber
weniger als wir.
BLASIUS. Toller Kerl! Ich bin ja ewig am Bratspiess.
LA FEU. Mich haben sie lebendig geschunden und mit Pfeffer eingepökelt.
--Die Hunde!
WILD. Wir sind nun mitten im Krieg hier, die einzige Glückseligkeit, die
ich kenne, im Krieg zu sein. Geniesst der Scenen, tut was ihr wollt.
LA FEU. Ich bin nicht für’n Krieg.
BLASIUS. Ich bin für nichts.
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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