WILD. Gott mach euch noch matter! --Es ist mir wieder so taub vorm Sinn.
So gar dumpf. Ich will mich über eine Trommel spannen lassen, um eine
neue Ausdehnung zu kriegen. Mir ist so weh wieder. O könnte ich in dem
Raum dieser Pistole existieren, bis mich eine Hand in die Luft knallte!
O Unbestimmtheit! wie weit, wie schief führst du die Menschen!
[Notes:
1: Friedrich Maximilian Klinger (1752-1831) was a fellow-townsman
and friend of Goethe. His _Sturm und Drang_, which was at first
named _Wirrwarr_, came out in 1776. The scene is ‘America.’ The
speakers are Wild, a lusty and masterful man of action; Blasius,
a _blasé_ worldling; and La Feu, a sentimental dreamer. They
propose to try their fortunes in the French-Indian War.]
2
_From Leisewitz’ ‘Julius of Tarentum,’ Act 3, Scene 3._[2]
GUIDO, JULIUS
GUIDO. Julius, kannst du die Tränen eines Vaters ertragen? Ich kann’s
nicht.
JULIUS. Ach, Bruder, wie könnt’ ich?
GUIDO. Meine ganze Seele ist aus ihrer Fassung, ich möchte mir das
Gewühl einer Schlacht wünschen, um wieder zu mir selbst zu kommen. --Und
das kann eine Träne? Ach, was ist der Mut für ein wunderbares Ding! Fast
möchte ich sagen, keine Stärke der Seele, bloss Bekanntschaft mit einem
Gegenstande--und wenn das ist, ich bitte dich, was hat der Held, den
eine Träne ausser sich bringt, an innerer Würde vor dem Weibe voraus,
das vor einer Spinne auffährt?
JULIUS. Bruder, wie sehr gefällt mir dieser dein Ton!
GUIDO. Mir nicht, wie kann mir meine Schwäche gefallen! Ich fühle, dass
ich nicht Guido bin. Wahrhaftig, ich zittre--o wenn das ist, so werd’
ich bald auf die rechte Spur kommen!--ich hab’ ein Fieber!
JULIUS. Seltsam--dass sich ein Mensch schämt, dass sein Temperament
stärker ist als seine Grundsätze.
GUIDO. Lass uns nicht weiter davon reden!--meine jetzige Laune könnte
darüber verfliegen, und ich will sie nutzen! Man muss gewisse
Entschlüsse in diesem Augenblick ausführen, aus Furcht, sie möchten uns
in den künftigen gereuen. Du weisst es, Bruder, ich liebe Blancan, und
habe meine Ehre zum Pfande gegeben, dass ich sie besitzen wollte. --Aber
diese Tränen machen mich wankend.
JULIUS. Du setzest mich in Erstaunen.
GUIDO. Ich glaube meiner Ehre genug getan zu haben, wenn sie niemand
anders besitzt, wenn sie bleibt, was sie ist--denn wer kann auf den
Himmel eifersüchtig sein? Aber du siehst, wenn ich meine Ansprüche
aufgebe, so musst du auch die deinigen, mit all den Entwürfen, sie
jemals in Freiheit zu setzen, aufgeben. --Lass uns das tun, und wieder
Brüder und Söhne sein! --Wie wird sich unser Vater freuen, wenn er uns
beide zu gleicher Zeit am Ziel sieht, wenn wir beide aus dem Kampfe mit
einander als Sieger zurückkommen, und keiner überwunden. --Und noch
heute muss das geschehen, heut’ an seinem Geburtstage.
JULIUS. Ach, Guido!
GUIDO. Eine entscheidende Antwort!
JULIUS. Ich kann nicht.
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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