Hagen, der dornige, drauf und der aquitanische Recke,
Unbesieglich an Mut, doch am ganzen Leibe ermattet,
Scherzten nach manchem Getöse des Kampfs
und entsetzlichen Schlägen
Mit einander in lustigem Streit bei dem Becher. Der Franke
Sagte zuerst: “Mein Freund, fortan wirst Hirsche du jagen, 1425
Handschuh’ dir aus den Fellen in grosser Zahl zu gewinnen.
Fülle, das rate ich dir, den rechten mit feinem Gewölle,
Dass mit dem Bilde der Hand du Fremde zu täuschen vermögest.
Weh, was sagst du dazu,
dass die Sitte des Volks du verletzest,
Dass man sieht, wie das Schwert
du rechts an der Hüfte befestigst, 1430
Und dein Ehegespons,
wird einstens der Wunsch dich beschleichen,
Mit der Linken, wie nett! umfängst in verkehrter Umarmung?
Doch was rede ich mehr? Was immer du künftig auch tun musst,
Wird die Linke verrichten.” Darauf entgegnete Walter:
“Dass du so vorlaut bist,
das wundert mich, scheeler Sigambrer![9] 1435
Jage ich Hirsche, so musst den Eberbraten du meiden,
Blinzelnd wirst du hinfort auf deine Bedienten herabschaun
Und mit querem Blicke die Schar der Helden begrüssen.
Aber der alten Treue gedenk, will dies ich dir raten:
Wenn nach Hause du kommst,
und dem heimischen Herde genaht bist, 1440
Mache dir Brei aus Mehl
und Milch und vergiss auch den Speck nicht;
Das vermag dir zugleich zur Nahrung und Heilung zu dienen.”
Also sprachen sie. Drauf erneuten sie wieder das Bündnis,
Hoben beide zugleich den König, den Schmerzen verzehrten,
Auf sein Ross; dann trennten sie sich: es zogen die Franken 1445
Wieder gen Worms, und es eilte der Aquitaner zur Heimat.
Freudig ward er allda mit grossen Ehren empfangen,
Feierte, wie es der Brauch, mit Hildgund festliche Hochzeit
Und regierte, nachdem sein Erzeuger von hinnen geschieden,
Allen teuer, das Volk noch dreissig glückliche Jahre. 1450
Welche Kriege er ferner geführt und Triumphe gefeiert,
Das kann nimmer der Griffel,
der stumpf mir geworden, beschreiben.
Der du dies liest, verzeihe der zirpenden Grille, erwäge
Nicht, wie rauh die Stimme noch ist, bedenke das Alter,
Da sie, noch nicht entflogen dem Nest, das Hohe erstrebte. 1455
Dies ist das WALTERSLIED.-- Euch möge der Heiland behüten!
[Notes:
9: ‘Sigambrian’ or ‘Sicambrian’ was a name applied by the learned
to the Franks.]
+X. RUDLIEB+
A Latin poem in leonine hexameters, composed about 1030 at Tegernsee,
Bavaria. It is imperfectly preserved, but more than 2000 verses are
extant, and these give interesting pictures of contemporary German life.
It is a metrical novel with a knight for hero. The selection is from
M. Heyne’s _Rudlieb_, 1897,--a translation in iambic pentameter.
_From the 14th fragment: The wedding of Rudlieb’s nephew._
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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