Wer im fremden Tranke prasset,
Meide dieses freie Land! 10
Wer des Rheines Gabe hasset,
Trik’ als Knecht am Marnestrand!
Singt in lauten Wechselchören!
Ebert, Hagedorn und Gleim
Sollen uns Gesänge lehren; 15
Denn wir lieben deutschen Reim.
Trotz geboten allen denen,
Die, mit Galliens Gezier,
Unsre Nervensprache höhnen!
Ihrer spotten wollen wir! 20
Ihrer spotten! Aber, Brüder,
Stark und deutsch, wie unser Wein,
Sollen immer unsre Lieder
Bei Gelag und Mahlen sein.
Unser Kaiser Joseph lebe! 25
Biedermann und deutsch ist er.
Hermanns hoher Schatten schwebe
Waltend um den Enkel her,
Dass er, mutig in Gefahren,
Sich dem Vaterlande weih’, 30
Und in Kindeskinder-Jahren
Muster aller Kaiser sei!
Jeder Fürst im Lande lebe,
Der es treu und redlich meint!
Jedem wackern Deutschen gebe 35
Gott den wärmsten Herzensfreund,
Und ein Weib in seine Hütte,
Das ihm sei ein Himmelreich,
Und ihm Kinder geb’, an Sitte
Seinen braven Vätern gleich! 40
Leben sollen alle Schönen,
Die, von fremder Torheit rein,
Nur des Vaterlandes Söhnen
Ihren keuschen Busen weihn!
Deutsche Redlichkeit und Treue 45
Macht uns ihrer Liebe wert:
Drum wohlauf! der Tugend weihe
Jeder-sich, der sie begehrt!
+9+
+An die Natur.+
Süsse, heilige Natur,
Lass mich gehn auf deiner Spur!
Leite mich an deiner Hand,
Wie ein Kind am Gängelband!
Wenn ich dann ermüdet bin,
Rück ich dir am Busen hin,
Atme süsse Himmelslust,
Hangend an der Mutter Brust.
Ach, mir ist so wohl bei dir!
Will dich lieben für und für.
Lass mich gehn auf deiner Spur,
Süsse, heilige Natur!
+10+
+Frühlingslied.+
Die Luft ist blau, das Tal ist grün,
Die kleinen Maienglocken blühn
Und Schlüsselblumen drunter;
Der Wiesengrund
Ist schon so bunt
Und malt sich täglich bunter.
Drum komme, wem der Mai gefällt,
Und freue sich der schönen Welt
Und Gottes Vatergüte,
Die diese Pracht
Hervogebracht,
Dem Baum und seine Blüte.
+LXXVII. GOTTFRIED AUGUST BÜRGER+
1747-1794. The stormy decade 1770-1780, which quickened other germs of
what was afterwards to be known as romanticism, brought with it a
notable renascence of the ballad. By general consent the first place in
the balladry of the time belongs to Bürger’s _Lenore_ (1774). The
uncanny supernaturalism and onomatopœic word-jingles, which had lent a
mysterious fascination to many an old ballad, but had virtually
disappeared from the lyric poetry of the reason-worshiping century, were
here revived with telling effect.
+Lenore.+
Lenore fuhr ums Morgenrot
Empor aus schweren Träumen:
“Bist untreu, Wilhelm, oder tot?
Wie lange willst du säumen?”
Er war mit König Friedrichs Macht 5
Gezogen in die Prager Schlacht,
Und hatte nicht geschrieben,
Ob er gesund geblieben.
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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