In allen guten Werken, 155
Dass ich verbringe mein Leben
Wie die heiligen Weiber,
Die uns aller Tugenden
Ein Vorbild gegeben:
Sara, die demütige, 160
Anna, die geduldige,
Esther, die milde,
Judith, die verständige,
Und die andern Frauen,
Die in der Furcht Gottes 165
Sich hier so betrugen,
Dass sie Gott wohl behagten.
Auch ich nach deiner Güte,
Nach deiner Demut,
Möchte mein Leben gestalten: 170
Dazu hilf mir, heiliges Weib!
In deine Hand begebe ich
Mich und all mein Leben.
Dir überlass’ ich all meine Not,
Dass du hilfsbereit seiest, 175
In was für Drangsalen
Ich dich immer anrufe.
Fraue, deinen Händen
Sei mein Ende befohlen!
Und geruhe mich zu weisen 180
Und mich zu erlösen
Aus der grossen Not,
Wenn der leide Tod
An mir soll scheiden
Den Leib von der Seele. 185
In jener grossen Angst
Komm du mir zum Troste!
Und hilf, dass meine Seele
Werde zu Teile
Des lieben Gottes Engeln, 190
Nicht den leiden Teufeln;
Dass sie mich dahin bringen,
Wo ich soll finden
Die ewige Freude,
Die im Himmel haben 195
Die hochseligen Gotteskinder,
Die dazu erwählt sind;
Dass ich dort schaue
Unsern lieben Herrn,
Unsern Schöpfer, 200
Unsern Heiland,
Der uns aus nichts erschuf,
Der uns auch kaufte
Mit seines Sohnes Blut
Von dem ewigen Tode. 205
Wer soll mir dazu helfen,
Wer soll mich so läutern,
Dass ich es würdig wäre?
Das sollst du, Jesus, mein Herr.
Gib mir, Herr, deinen Geist, 210
Da du selbst wohl weisst
All meine Krankheit
Und all meine Unwissenheit;
Auf dass ich schauen dürfe
Mit meinen Augen 215
Dein unverlöschlich Licht:
Das versage du mir nicht!
Es ist das ewige Leben,
Das ich, armes Weib,
Mit deiner Hilfe suche: 220
Das lass mich, Herre, finden!
Darum sei mein Bote zu dir
Deine eigne Mutter:
O, wie selig bin ich dann,
Nimmt sie sich meiner an! 225
Maria, Gottes Traute,
Maria, Trost der Armen,
Maria, stella maris,
Zuflucht des Sünders,
Burg des Himmels, 230
Born des Paradieses!
Der uns die Gnad’ entfloss,
Die uns Elenden erschloss
Das rechte Vaterland;
Nun gib uns, Fraue, deine Hand, 235
Weise uns den Ausweg
Aus jener grossen Tiefe:
Das ist des Teufels Gewalt.
Darein uns hat gebracht
Eva, unsere Mutter; 240
Jetzt fliehen wir alle zu dir.
Wir weinen und seufzen
Zu deinen lieben Füssen.
Lass dich nun erbarmen
Der Not, die wir Armen 245
In diesem engen Tale
Mannigfach erdulden!
Stella maris, bist du genannt
Nach dem Stern, der an das Land
Das müde Schiff geleitet, 250
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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