Es war ihr ganzes Gebet,
Dass er ihnen erlaube,
Roland zu enthaupten,
Und, wenn sie ihn erschlagen,
Sein Haupt vor sich zu tragen. 3475
Sie versprachen ihn zu ehren,
Sein Lob immer zu mehren
Mit Tanz und Saitenspiel;
Des Übermuts war da viel.
Sie vertrauten ihrer Kraft, 3480
Sie wussten nicht recht,
Dass wer gegen Gott strebt,
Der ohne Gott lebt.
Sie verschmähten ihren Schöpfer,
Unsern wahren Heiland, 3485
Den obersten Priester,
Der keinen ohne Trost lässt,
Wenn er mit Demut
Suchet das Gute.
_Lines 6053-6113: Having fought a great fight and slain many heathen,
Roland and his men are about to be overwhelmed by numbers; in desperate
straits he blows his horn, and it is heard by the far-away emperor._
Roland fasste mit beiden Händen
Den guten Olivant
Und setzte ihn an den Mund. 6055
Er begann zu blasen;
Der Schall ward so gross,
Es lärmte so unter den Heiden,
Dass keiner den andern hören konnte.
Sie verstopften selbst die Ohren. 6060
Die Hirnschale barst ihm,
Dem guten Weigande;
Alles änderte sich an ihm,
Er konnte kaum noch sitzen,
Sein Herz zerbrach innen. 6065
Seine bekannte Stimme
Vernahmen sie allesamt,
Der Schall flog ins Land.
Bald kam zu Hof das Märe,
Dass des Kaisers Bläser 6070
Bliesen alle zugleich.
Dann wusste man wahrlich,
Dass die Helden in Not waren.
Da gab es ein grosses Jammern.
Der Kaiser schwitzte vor Angst, 6075
Er verlor zum Teil die Fassung,
Er ward sehr ungeduldig.
Das Haar riss er von der Haut;
Da machte starke Vorstellungen
Genelun der Verräter; 6080
Er sprach: “Dieses Ungestüm
Geziemt nicht einem König.
Du beträgst dich ungebührlich.
Was hast du dir vorzuwerfen?
Den Roland, wie er im Grase schlief. 6085
Hat wohl eine Bremse gebissen,
Oder er jagt wohl einen Hasen;
Dass das Blasen eines Hornes
Dich so ausser Fassung bringt!”
Der Kaiser sprach zu ihm: 6090
“Weh dass ich dich je gesehen,
Oder Kenntnis von dir gewonnen!
Das beklage ich immer vor Gott.
Von dir allein
Muss Frankreich immer weinen. 6095
Wegen des grossen Schatzes,
Den Marsilie dir gab,
Hast du den Mord vollbracht.
Ich räche ihn, wenn ich’s vermag.
Was trieb dich dazu?” 6100
Auf sprang der Herzog Naimes,
Er sprach: “Du Teufels Mann,
Du hast schlimmer als Judas getan,
Der unsern Herrn verriet.
Nie verwindest du diesen Tag. 6105
Dies hast du gebraut,
Du sollst es wahrlich trinken.”
Er hätte ihn gern erschlagen,
Der Kaiser hiess ihn abstehen;
Er sprach: “Eine andre sei seine Strafe. 6110
Ich will hernach über ihn richten;
Und wenn das Urteil ergeht,
Er stirbt wohl einen schlimmeren Tod.”
+XVI. KING ROTHER+
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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