Er heisset,” sprach sie, “E”--
Und nach dem NE ward es gar lang,
So sehr die Minne sie bezwang,
Bevor sie deutlich sagte AS;--
Dann wusste Anna, wer er was. 1540
_Lines 9735-9820: Pending the fight between Eneas and Turnus, Lavinia
hears of Minne from her mother._
Da nun zwischen beiden 9735
Der Zweikampf sollt’ entscheiden,
Recht war es ihrer Tapferkeit.
Sie machten sich bereit
Mit mannlichem Sinn.
Da ging die Königin 9740
Eines Abends spat
In ihre Kemenat
Und rief die Tochter zu sich,
Eine Jungfrau minniglich.
Zu reden sie begonnte, 9745
Wie sie es wohl konnte,
Mit sehr klugem Sinn.
Es sprach die Königin:
“Lavine, schönes Mägdelein,
Du liebe Tochter mein, 9750
Vielleicht es nun so endet,
Dass der Vater dir entwendet
Grosses Gut und grosse Ehr’:
Turnus, der edle Herr,
Der deine Minne stark begehrt, 9755
Ist deiner durchaus wert;
Des hab’ ich sichere Kunde.
Und wärest du zur Stunde
Tausendmal so schön und gut,
Du könntest billig deinen Mut 9760
Dem tapfern Mann zukehren;
Ich gönne dir die Ehren.
Ich will, dass du ihn minnest,
Und dabei auch erkennest,
Dass er ein edler Herr. 9765
Drum lob’ ich dir so sehr
Den Helden wonnesam.
Sei doch Eneas gram,
Jenem Trojaner schlecht,
Der ihn erschlagen möcht’, 9770
Der dich im Herzen trägt
Dir ist’s ja auferlegt,
Ihm Ungunst zu erzeigen
Und stetiges Abneigen,
Ihm keine Ehr’ zu zollen, 9775
Ihm Gutes nicht zu wollen.
Du sollst ihm bleiben kalt,
Weil er dich mit Gewalt
Nun wähnet zu gewinnen.
Er strebt nach deiner Minnen 9780
Nur wegen deines Gutes:
Was er bestrebt, er tut es,
Damit er dich erwerbe
Und mit dir nun als Erbe
Gewinne auch zugleich 9785
Deines Vaters Reich.
Du tätest, wie ich wollt’,
Würdest du Turnus hold.”
“Womit soll ich ihn minnen?”
“Mit Herzen und mit Sinnen.” 9790
“Soll ihm mein Herze geben?
Wie könnte ich dann leben?”
“Unwissend bist du, wie man sieht.”
“Was, wenn es nicht geschieht?”
“Was, wenn’s geschehen tut?” 9795
“Wie kann ich meinen Mut
Einem Manne zukehren?”
“Die Minne wird’s dich lehren.”
“Um Gotteswillen, was ist Minne?”
“Sie ist vom Urbeginne 9800
Der Erde Herrscherin
Und bleibt’s auch fernerhin
Bis zu dem jüngsten Tag.
In keiner Weise mag
Ein Mensch ihr widerstehen, 9805
Denn sie kann niemand sehen
Noch betasten mit der Hand.”
“Die hab’ ich, Fraue, nie gekannt.”
“Du sollst sie kennen lernen noch.”
“Wann erwartet Ihr es doch?” 9810
“Ich erwart’ es, wie ich mag.
Vielleicht erleb’ ich noch den Tag,
Da du ungebeten minnest.
Und wenn du es beginnest,
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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