Wirst du empfinden Lust dazu.” 9815
“Ich weiss, dass ich’s nicht tu’.”
“Es kommt, so sicher du auch bist.”
“Dann sagt mir, was die Minne ist.”
“Ich kann sie nicht beschreiben.”
“Dann lasst es doch noch bleiben.” 9820
_Lines 10031-79: Lavinia’s first glimpse of Eneas._
Als der Held dahin kam,
Und die Jungfrau wonnesam
Ihre Augen kehrte dar
Und sein da unten ward gewahr
Von ihrer hohen Zinne, 10035
Durchschoss sie nun Frau Minne
Mit einem scharfen Pfeil;
Drum ward ihr Qual zuteil
Auf manche lange Stunde.
Sie empfing eine Wunde, 10040
In ihrem Herzen drinnen,
So dass sie musste minnen
Und konnte nichts dafür.
Gram ward die Mutter ihr,
Deren Huld sie ganz verlor, 10045
Denn sie brannte und sie fror
Fast in derselben Stunde.
Die Art und Weis’ der Wunde,
Das Übel war ihr unbekannt.
Sehr bald sie nun verstand 10050
Ihrer Mutter Geheiss.
Sie ward unmässig heiss
Und danach wieder kalt,
Sie kam in Ungewalt,
Unangenehm sie lebte, 10055
Sie schwitzte und sie bebte,
Wurde bleich und wurde rot;
Sehr gross war ihre Not
Und ihres Leibes Ungemach,
Da fand sie Kraft und sprach. 10060
Als das Herz ihr wiederkam,
Sprach die Jungfrau wonnesam
Jämmerlich sich selber zu:
“Ich weiss nicht leider, was ich tu’;
Ich weiss nicht, was mich schiert, 10065
Dass ich bin so verwirrt.
Nie ward mir solches kund;
Ich war bisher gesund
Und bin nun jetzt fast tot.
Wer hat in kurzen Stunden 10070
Das Herz mir festgebunden,
Das früher ledig war und frei?
Mir ahnt, es sei das Ungemach,
Von dem vorher die Mutter sprach.
Zu früh hat’s mir passiert! 10075
Wär’ ich doch ungeniert
Von--Minne, wie ich sie verstand,
Ja, Minne hat sie es genannt!”
+XXIII. HARTMANN VON AUE+
The first in order of the three great romancers who interpreted the
French tales of chivalry for medieval Germany. They were adapters rather
than translators, just as were the French poets themselves in relation
to their Keltic sources. Hartmann was born in Swabia about 1165, took
part in a crusade, probably that of 1197, and died before 1220. His
chief works are the two Arthurian romances _Erec_ and _Iwein_, and the
two pious ‘legends’ _Gregorius_ and _Der arme Heinrich_. The selection
from _Der arme Heinrich_ is given in Bötticher’s translation, as found
in Bötticher and Kinzel’s _Denkmäler_, II, 2.
I
_From ‘Iwein’, lines 2073-2338: The enterprising maid Lunete persuades
her mistress to marry Iwein, who has just slain her husband._
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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