Dass sie der Magd je Hartes sprach,
Davon litt sie solch Ungemach,
Dass sie es sehr bereute. 2075
Als sich der Tag erneute,
War jene noch einmal gekommen
Und wurde besser aufgenommen
Als sie entlassen ward vorher.
Die Frau ermunterte sie sehr 2080
Mit gütigem Empfange.
Es dauerte nicht lange,
Bevor sie nun also begann:
“Du lieber Gott, wer ist der Mann,
Den du mir gestern lobtest? 2085
Ich glaube nicht, du tobtest,
Denn der war nicht von Herzen matt,
Der meinen Herrn erschlagen hat.
Hat er Geburt und Jugend
Und sonst etwa ‘ne Tugend, 2090
So dass er mir zum Herren ziemt,
Und dass die Welt, wenn sie’s vernimmt,
Mir’s nicht zu sehr verdenken kann,
Dass ich genommen hab’ den Mann,
Der mir den Herrn erschlagen? 2095
Kannst du mir von ihm sagen,
Was mir in seiner Tugend Licht
Dem üblen Ruf die Spitze bricht?
Und rätst du mir sodann,
Ich nähme ihn zum Mann?” 2100
Sie sprach: “Es dünkt mich gut.
Mich freut, dass Ihr den Mut
So schnell habt umgekehret.
In ihm seid Ihr geehret;
Zu fürchten wäre keine Scham.” 2105
Sie sprach: “Was ist also sein Nam’?”
“Er nennt sich Herr Iwein.”
Gleich stimmten sie nun überein.
Sie sprach: “Der Nam’ ist mir doch kund
Seit mancher langen Stund’. 2110
Er ist gewiss vom hohen Stamm
Des Königs Vriën lobesam.
Nun ist die Sache klar zum Teil,
Und krieg’ ich ihn, so hab’ ich Heil.
Aber, Gesellin, weisst du recht, 2115
Ob er mich auch haben möcht’?”
“Es wär’ ihm lieb, wär’s schon geschehn.”
“Und sage mir, wie bald wird’s gehn?”
“In ungefähr vier Tagen.”
“Ach Gott, was willst du sagen! 2120
Zu lang machst du die Frist.
Bedenke dich, ob’s möglich ist,
Dass ich ihn morgen--heute--sehe.”
“Wie wollt Ihr, Frau, dass das geschähe?
Zu denken wäre nicht daran: 2125
Es lebt auf Erden nicht der Mann,
Er habe denn Gefieder,
Der käme hin und wieder
In solcher kurzen Frist;
Ihr wisst, wie fern es ist.” 2130
“So überlass es meinem Witz.
Mein Garçon läuft ja wie der Blitz;
Zwei Tag’ ein andrer reiten muss,
Er macht’s in einem Tag zu Fuss.
Der Mondschein ihm auch helfen mag: 2135
Er mache ja die Nacht zum Tag.
Auch sind die Tag’ unmässig lang;
Sag’ ihm, es lohnt sich hoch sein Gang,
Und dass es ihm recht lange frommt,
Wenn er schon morgen wiederkommt. 2140
Er rühre tüchtig nur die Bein’
Und mache die vier Tag’ zu zwein.
Er soll sich sputen sehr
Und ausruhen nachher,
So lang er eben ruhen möcht’. 2145
Nun, Trautgesellin, mach’s ihm recht!”
Sie sagte: “Frau, es soll geschehn;
Doch eines sei nicht übersehn:
Befragt doch Eure Leute
Gleich morgen oder heute; 2150
Denn paart Ihr Euch ohn’ ihren Rat,
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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