Es wäre eine üble Tat.
Wer sich berät in diesen Dingen,
Dem kann es nimmermehr mislingen.
Was man alleine tut, 2155
Wird es nachher nicht gut,
Bringt böses Leid in Doppelmass:
Den Schaden und der Freunde Hass.”
Sie sprach: “O weh Gesellin traut,
Wie mir vor diesem Schritte graut! 2160
Man wird vielleicht dagegen sein.”
“Nur nichts vom Bangen, Fraue mein!
Es ist gewiss kein andrer Held,
Und sucht Ihr durch die ganze Welt,
Der wahrte Euch wie er den Bronn; 2165
So wird die Meinung sein davon.
Mit Freude, zweifelt nicht daran,
Wird jederman in Eurem Bann
Solch Landeshut begrüssen;
Man wirft sich Euch zu Füssen 2170
Und bittet Euch, hat man’s erfahren,
Geschwinde Euch mit ihm zu paaren.”
Sie sprach: “Nun lass den Garçon ziehn!
Indessen will ich mich bemühn,
Botschaften auszusenden; 2175
Wir wollen die Rede enden.”
Leicht hätte sie ihn fortgesandt,
Denn er befand sich gleich zur Hand.
Der Garçon auf den Wink der Maid
Verbarg sich mit Geschwindigkeit; 2180
Schnell fasste ja der flinke Knapp,
Was man ihm auszuführen gab.
Er konnt ihr helfen bei dem Lügen
Und ohne jede Bosheit trügen.
Eh’ ihre Herrin hatte Zeit, 2185
Zu träumen von der Möglichkeit,
Der Knabe sei schon auf dem Wege,
Nahm sie den Ritter in die Pflege,[1]
Wie Gott allein sie lohnen kann.
Mit schönster Bitte ging sie dran. 2190
Es lagen Kleider da bereit
In dreifacher Vortrefflichkeit,
Grau, hermelin und bunt;
Ging doch der Wirt zu jeder Stund’
Gekleidet wie ein Hofgalan, 2195
Der viel auf Leibespflege sann
Und nie am Prunk es fehlen liess.
Das schönste sie ihn wählen hiess
Und kleidete ihn damit an.
Am nächsten Abend ging sie dann, 2200
Wo sie die Frau alleine fand,
Und machte sie gleich vor der Hand
Von Freude bleich und rot.
Sie sprach: “Gebt mir das Botenbrot!
Der Garçon ist gekommen.” 2205
“Hast schon etwas vernommen?
Ist’s gute Märe? Sprich doch! Wie?
Also ist Herr Iwein hie?
Wie ist es ihm so früh geglückt?”
“Die Liebe hat ihn hergeschickt.” 2210
“Ach Gott! Doch sprich! Wer weiss davon?”
“Es weiss bisher kein Muttersohn
Als Euer Knab’ und wir.”
“Wann führst du ihn zu mir?
Geh stracks zu ihm, ich bitte dich.” 2215
Die flinke Magd entfernte sich
Und machte mit verstellter Mien’,
Als vor dem Ritter sie erschien,
Als ob mit böser Märe
Sie ihm gesendet wäre. 2220
Sie hing den Kopf und sah ihn an
Und trauriglich also begann:
“Ach, lieber Gott, mit mir ist’s aus!
Die Herrin weiss, dass Ihr im Haus.
Für mich hat sie nun nichts als Zorn; 2225
Ich habe ihre Huld verlorn,
Weil ich Euch barg im Schlosse hier.
Doch sagt sie, es beliebe ihr
Euch einmal näher anzusehen.”
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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