Das glüht von heissem Minnefeuer;
So lag das holde Abenteuer. 410
Schneeweiss erglänzt’ in dichten Reihn
Der kleinen Zähne Elfenbein.
Leicht lernt’ ich küssen solchen Mund,
Doch wurde mir das selten kund.
Auf weichem Lager hingestreckt 415
Hat sie den Zobel, der sie deckt,
Zurückgestreift bis an die Hüften,
Im schwülen Sommer sich zu lüften,
Seit einsam lag das schöne Weib.
Gott selbst hat an den süssen Leib 420
Seine Meisterkunst gewandt.
Lang war ihr Arm und blank die Hand.
Doch als der wilde Knabe da
An ihrer Hand ein Ringlein sah,
Sprang er ans Bett, den Reif zu holen, 425
Wie’s ihm die Mutter anbefohlen.
Das reine Weib in Scham erschrak,
Als ihr der Knab’ im Arme lag.
Sie, die man keusche Zucht gelehrt,
Sprach: “Wer hat mein Gemach entehrt? 430
Jungherr, Ihr waget allzuviel.
Geht, suchet Euch ein andres Ziel!”
Doch er, wie laut die Schöne klagt,
Ihn kümmert’s nicht, was sie auch sagt.
Er drückt’ an sich die Herzogin, 435
Zwang ihren Mund an seinen hin
Und nahm den Ring. Auch brach der Range
Von ihrem Hemd die goldne Spange.
Sie wehrt sich, doch mit Weibes Wehr;
Ihr war sein Arm ein ganzes Heer. 440
“Mich hungert,” klagt er, “gib mir Essen!”
Sie sprach: “Ihr wollt doch mich nicht fressen?
Wärt Ihr zu Nutzen weise,
Ihr nähmt Euch andre Speise.
Seht, dort beiseit steht Brot und Wein 445
Und zwei Rebhühnchen obendrein.
Das hat ein Mägdlein hergebracht,
Die’s Euch doch wenig zugedacht.”
Er liess von ihr, indem er sass
Und einen guten Kropf sich ass, 450
Wonach er schwere Trünke schlang.
Ihr währt sein Wesen hier zu lang;
Sie deucht: dem Jungen fehlt’s im Hirne;
Der Angstschweiss stand ihr auf der Stirne.
Drum sprach sie: “Jungherr, lasset mir 455
Das Ringlein und die Spange hier
Und hebt Euch fort! Denn kommt mein Mann,
Und trifft Euch hier im Zelte an,
So müsst Ihr Zorn erleiden,
Den Ihr gern möchtet meiden.” 460
Er sprach mit trotzigem Gesicht:
“Er komme nur! Ich fürcht’ ihn nicht.
Doch schadet’s dir an Ehren,
Will ich von hinnen kehren.”
Aufs neu’ kam er ans Bett gegangen, 465
Die Schöne küssend zu umfangen;
Ungerne litt’s die Herzogin.
Dann ohne Abschied ritt er hin;
Doch sprach er noch: “Gott hüte dein!
So lehrte mich’s die Mutter mein.” 470
[Notes:
1: The numbers refer to the original text, Bartsch’s edition; the
translation is not a line-for-line version.
2: A famous wood in Bretagne--la forêt de Bréchéliant. Wolfram’s
spelling is Prizljan, Hartmann’s Brezilian.]
_From Book 5, lines 345-490: Parzival in the castle of the Grail._[3]
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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