So lebt in uns ihr beider Tod.
Wer nun begehrt, dass man ihm sage
Ihr Leben, Sterben, Freud’ und Klage,
Der neige Herz und Ohren her:
Er findet alles sein Begehr. 200
_From ‘Tristan,’ Book 16, lines 11711-11844: The fateful
love-potion._[1]
Doch als die Jungfrau und der Mann,
Als nun Isolde und Tristan
Den Trank getrunken, was geschah?
Gleich war der Welt Unruhe da,
Minne, die Herzensjägerin, 11715
Und schlich zu ihren Herzen hin.
Sie liess, eh’ beide sich’s versehn,
Ihr Siegspanier darüber wehn
Und unterwarf sie mit Gewalt.
Eins und einig wurden bald, 11720
Die zwei gewesen und entzweit.
Nun hatten sie nach langem Streit
In raschem Frieden sich gefunden.
Der Hass[2] Isoldens war entschwunden:
Minne, die Versöhnerin, 11725
Die hatte ihrer beider Sinn
Von Hasse so gereinigt,
In Liebe so vereinigt,
Dass eins dem andern hell und klar
Und lauter wie ein Spiegel war. 11730
Sie hatten nur ein einz’ges Herz:
Isoldens Leid war Tristans Schmerz,
Und Tristans Schmerz Isoldens Leid.
Sie einten sich für alle Zeit
In Freude und in Leide 11735
Und hehlten sich’s doch beide.
Das tat die Scham, dass sie nichts sagten,
Der Zweifel tat’s, dass sie verzagten,
Sie an ihm und er an ihr.
Und riss auch ihre Herzensgier 11740
Nach Einem Ziel sie blindlings fort,
Sie bangten vor dem ersten Wort.
Drum blieb in Scheu’ und Sorgen
Ihr Sehnen noch verborgen.
Als Tristan fühlt der Minne Bann, 11745
Da rief er Treu’ und Ehre an,
Und diese beiden mahnten ihn,
Vor ihrer Lockung zu entfliehn.
Nein, dacht’ er fort und fort bei sich,
Sei standhaft, Tristan, hüte dich! 11750
Lass ab und schlag dir’s aus dem Sinn.
Doch drängte stets sein Herz dahin.
Mit seinem Willen kämpft’ er schwer,
Begehrte wider sein Begehr:
Es zog ihn ab, es zog ihn an. 11755
So wand sich der gefang’ne Mann
Und suchte, aus den Schlingen
Sich mühsam loszuringen,
Und hielt sich tapfer lange Zeit.
Es ging dabei ein zwiefach Leid 11760
Seinem treuen Herzen nah:
Wenn er in ihre Augen sah,
Und ihm die süsse Minne
Verzehrte Herz und Sinne
Mit ihrem holden Angesicht, 11765
So dacht’ er an der Ehre Pflicht,
Und die entriss ihn ihrem Bann.
Gleich griff ihn Minne wieder an,
Seine Erbekönigin,
Und trieb ihn wieder zu ihr hin. 11770
Bedrängt ihn Ehr’ und Treue schwer,
Minne bedrängt ihn doch noch mehr;
Sie tat ihm mehr zu leide
Als Treu’ und Ehre beide.
Schaute sein Herz sie lachend an, 11775
So blickte weg der treue Mann;
Doch sollt’ er sie nicht sehen,
Wollt’ ihm das Herz vergehen.
Oft, wie Gefang’ne sinnen,
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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