German Science Reader: An Introduction to Scientific German, for Students of Physics, Chemistry and Engineering — John Shaqi
German Science Reader: An Introduction to Scientific German, for Students of Physics, Chemistry and EngineeringKroeh, Charles Frederick
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German Science Reader: An Introduction to Scientific German, for Students of Physics, Chemistry and Engineering
Kroeh, Charles Frederick
German language -- Readers -- Science
_Die Salpetersäure_ HNO_{3}, Molekulargewicht = 62,58, spez. Gew. bei 0°
= 1,56, bei 15° = 1,530, kommt auf der Erde hauptsächlich in der Form
von Salzen, den Nitraten, vor, z. B. als salpetersaures[1] Kali
(Kalisalpeter), und ganz besonders als salpetersaures Natron
(Chilesalpeter), letzteres in ungeheuren Lagern in einigen Distrikten
Chiles und Perus. Zur Darstellung der Salpetersäure benutzt man
hauptsächlich den Chilesalpeter, indem man[2] 4 Gewichtsteile desselben
mit 4-1/2 Gewichtsteilen englischer Schwefelsäure langsam destilliert,
wobei die Salpetersäure übergeht[3], während Natriumhydrosulfat
zurückbleibt. 1 Molekül Chilesalpeter NaNO_{3} wird nämlich[4] zersetzt
durch 1 Molekül Schwefelsäure H_{2}SO_{4}, zu HNO_{3} und zu NaHSO_{4}.
Destilliert man den Salpeter mit einer geringeren Menge von
Schwefelsäure, als oben angegeben wurde, oder erhitzt ein Gemenge von
Chilesalpeter und Thonerde zum Glühen, so erhält man eine mit
Untersalpetersäure[5] verunreinigte Salpetersäure von sehr ätzender
Wirkung als rotgelbe Flüssigkeit, die sogen.[6] rote rauchende
Salpetersäure. Die reine Salpetersäure ist eine farblose, an der Luft
stark rauchende Flüssigkeit, die bei 86° siedet, bei -40° zu einer
farblosen Krystallmasse erstarrt. Mit Wasser mischt sie sich in jedem
Verhältnis. Der Säuregehalt[7] der Mischung wird durch das spezifische
Gewicht bestimmt. Die gewöhnliche konzentrierte Säure des Handels
besitzt bei 15,5° das spez. Gew. 1,41 entsprechend einem Gehalt an
reiner Salpetersäure von 68 Prozent; ihr Siedepunkt liegt bei 123°. Die
Salpetersäure färbt die Haut und manche organische Stoffe gelb, wirkt
überhaupt sehr ätzend[8] und zerstörend und muss mit Vorsicht behandelt
werden. Sie ist ziemlich unbeständig[9] und zersetzt sich schon unter
dem Einfluss des Lichts (2 HNO_{3}=2 NO_{2} + H_{2}O + O), wobei sie
wegen des Stickstoffdioxydgehalts eine gelbe Farbe annimmt. Der durch
den gasförmig entweichenden Sauerstoff ausgeübte Druck kann
dichtgeschlossene Gefässe zersprengen. Es empfiehlt sich daher, die
Salpetersäure in kühlen Räumen vor Licht geschützt aufzubewahren.
Infolge ihrer leichten Zersetzbarkeit unter Sauerstoffabgabe ist die
Salpetersäure ein starkes Oxydationsmittel. Die meisten Metalle werden
von ihr oxydiert. Die gebildeten Oxyde[10] lösen sich fast alle (nicht
z. B. Zinn und Antimon) in der überschüssigen Säure[11] zu
salpetersauren Salzen, Nitraten. Ihrer Eigenschaft, Silber zu lösen und
Gold nicht anzugreifen, verdankt die Salpetersäure den Namen
Scheidewasser[12], weil man sie schon früher dazu benutzte, um damit
Gold vom Silber zu scheiden. Die Salpetersäure hat in der chemischen
Industrie, besonders zur Darstellung vieler sogenannter
Nitroverbindungen (Nitrobenzol, Schiessbaumwolle, Dynamit etc.) eine
sehr bedeutende Anwendung gefunden. Mit dem drei- bis vierfachen Volumen
Salzsäure vermischt, bildet sie eine gelbe, stark nach Chlor riechende
Flüssigkeit, welche Gold und Platin auflöst und Königswasser[13] genannt
wird.
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