Ährenlese: A German Reader with Practical Exercises
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Ährenlese: A German Reader with Practical Exercises
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»Gewiß,« sagte der Fuchs, »die Wette gefällt mir. Wollen wir von
Hamburg nach Bremen laufen, oder von Berlin nach Leipzig?«
»O nein,« sprach der Krebs, »das wäre uns beiden zu weit. Laß uns eine
gute Meile laufen, das ist genug, und ich gebe dir auch noch einen
Vorsprung von der ganzen Länge deines eigenen Körpers, vom Kopf bis zum
Schwanz. Was sagst du dazu?«
»Das gefällt mir noch besser!« sagte der Fuchs und lächelte wieder
spöttisch. »Sage also, wie wir’s am besten machen!«
»Die Sache ist sehr einfach«, antwortete der schlaue Krebs. »Du trittst
vor mich, und ich trete hinter dich, so daß deine Hinterfüße meinen
Kopf berühren, dann ist es genau deine Körperlänge. Und wenn ich dann
rufe: ‚Los!‘, so beginnt der Wettlauf. Du sollst aber sehen, daß ich
dennoch eher ankomme als du.«
Nun drehte sich der Fuchs um, bis er ganz dicht vor dem Krebs stand.
Dieser aber faßte mit seinen Scheren den buschigen Schwanz des Fuchses,
und als er merkte, daß der Fuchs es gar nicht fühlte, rief er laut:
»Los!«
Da lief der Fuchs so schnell, wie er in seinem ganzen Leben noch nicht
gelaufen war. Endlich kam er ans Ziel, drehte sich rasch um und rief:
»Wo ist nun der dumme Krebs? Wo bist du, Krebslein? Hahaha!«
Der Krebs aber, der dem Ziele jetzt näher stand als der Fuchs,
antwortete ruhig: »Hier! Wie langsam du läufst! Ich warte hier schon
eine ganze Weile auf dich!«
Da erschrak der Fuchs und sprach: »Dir muß der Kuckuck geholfen haben!«
Dann zahlte er seine Wette, nahm den Schwanz zwischen die Beine und
ging beschämt davon.
/Ludwig Bechstein./
[Fußnote 1: Nach dem Volksglauben zeigt der Krebs, wenn er auf das
Land geht, Regen an.]
Gevatter Tod.
Es lebte einmal ein sehr armer Mann, der hieß Klaus. Dem hatte Gott
großen Reichtum beschert, der ihm große Sorge machte, nämlich zwölf
Kinder, und es dauerte nicht lange, da kam das dreizehnte dazu. Da
wußte der arme Mann nicht, wo er einen Paten finden sollte, denn alle
seine Verwandten und Freunde hatten ihm schon Kinder aus der Taufe
gehoben. Also beschloß er, sich an den ersten besten Fremden zu wenden,
den er auf der Landstraße träfe.
Nun war der erste, den er traf, ein freundlicher Mann von stattlicher
Gestalt, nicht jung und nicht alt, und es schien dem Armen, als ob sich
vor diesem Mann alle Bäume und Blumen und Grashalme tief verneigten. Da
glaubte er, das müsse der liebe Gott selber sein, nahm schnell seine
Mütze ab, faltete die Hände und betete ein Vaterunser. Und es war auch
der liebe Gott, der wußte schon, was Klaus wollte, und sprach: »Du
suchst einen Paten für dein Kindlein! Wohlan, ich will es dir aus der
Taufe heben.«
»Du bist allzu gütig, o Herr,« antwortete Klaus, »aber ich danke dir.
Du gibst denen, welche haben, dem einen Güter, dem andern Kinder, und
so fehlt es oft beiden am Besten: der Reiche hat vollauf zu essen, und
der Arme hungert.« Da wandte sich der Herr und ward nicht mehr gesehen.
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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