Ährenlese: A German Reader with Practical Exercises
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Ährenlese: A German Reader with Practical Exercises
German language -- Readers
Klaus ging eine Strecke weiter, und bald kam ein Kerl auf ihn zu, der
sah nicht nur aus wie der Teufel, sondern war es auch und fragte Klaus,
wen er suche. »Einen Paten für mein Kindlein«, war die Antwort. »Ei,«
sagte jener, »so nimm mich, ich will es reich machen.« »Wer bist du
denn?« fragte Klaus. »Ich bin der Teufel.« »Der Teufel!« rief Klaus
und maß den Kerl vom Horn bis zum Pferdefuß, »dich mag ich nicht zum
Gevatter. Geh heim zu deiner Großmutter! Gott sei bei uns!«
Da wandte sich der Teufel und ging fort, indem er gegen den Armen ein
abscheuliches Gesicht machte und die Luft mit Schwefelgestank erfüllte.
Hierauf begegnete dem Kindesvater wiederum ein Mann, der war so dünn
und dürr wie eine Bohnenstange und klapperte beim Gehen. Der fragte
auch: »Wen suchst du?« und bot sich zum Paten des Kindes an. »Wer bist
du?« fragte Klaus wieder. »Ich bin der Tod«, sprach jener mit heiserer
Stimme. Da war Klaus zu Tode erschrocken, doch dachte er, bei dem wäre
sein Söhnchen vielleicht am besten aufgehoben, und sagte: »Du bist der
Rechte. Arm oder reich, du machst alle gleich. Komm nur zu rechter
Zeit, am Sonntag soll die Taufe sein.« Und am Sonntag kam richtig der
Tod und ward Taufpate des Kleinen, und der Junge wuchs fröhlich heran.
Als er nun in die Jahre kam, wo er etwas erlernen sollte, damit er
künftig sein Brot verdiene, erschien der Pate und nahm ihn mit sich in
einen finsteren Wald. Da standen allerlei Kräuter, und der Tod sprach:
»Jetzt sollst du als Patengeschenk das rechte, wahre Heilkraut von mir
empfangen, und dadurch sollst du ein Doktor über alle Doktoren werden.
Doch merke wohl, was ich dir sage! Wenn man dich zu einem Kranken
ruft, wirst du allemal meine Gestalt erblicken. Stehe ich zu Häupten
des Kranken, so darfst du versichern, daß du ihn wieder gesund machen
kannst. Wenn er aber ins Gras beißen muß, so stehe ich zu des Kranken
Füßen. Dann sage nur: ‚Hier kann kein Arzt der Welt helfen, und ich
auch nicht‘! Aber brauche ja nicht das Heilkraut gegen meinen Willen,
sonst ergeht es dir übel!« Damit ging der Tod seines Weges, und der
junge Mensch begann seine Wanderschaft.
Es dauerte nicht lange, so wurde er berühmt. Man sagte, er sei der
größte Arzt auf Erden, denn sobald er die Kranken nur ansehe, wisse er,
ob sie leben oder sterben würden. Und so war es in der Tat.
Nun geschah es, daß der Wunderarzt in ein Land kam, dessen König schwer
krank lag. Die Hofärzte hatten alle Hoffnung aufgegeben. Weil aber
Könige nicht lieber sterben als andere Menschen, so hoffte der kranke
König dennoch, der Wunderdoktor werde ihn wieder gesund machen. Er ließ
ihn also rufen und versprach ihm großen Lohn. Der König hatte aber eine
Tochter, die war so schön und so gut wie ein Engel.
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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