Eingeschneit: Eine StudentengeschichteFrommel, Emil
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Eingeschneit: Eine Studentengeschichte
Frommel, Emil
Austria -- Fiction; German language -- Readers -- English; Travelers -- Fiction
Eine bunte Gesellschaft saß schon an den Tischen[12-5] und wandte sich
neugierig nach dem Ankömmling um, der sofort auch vom Kopf bis zur
Fußsohle gemustert ward. Der Assessor grüßte verlegen zuerst nach den
Damen hinüber, deren[12-6] vier auf einem Klümplein bei einander
saßen, eine ältere und drei jüngere. Neben ihnen saß ein junges Paar.
Alle hatten sich’s bequem gemacht. Um den großen Ofen hingen die
nassen Kleider und dampften aus, und zwölf Schuhe standen unten und
warteten aufs Trocknen. Es ist so etwas eigenes, wenn Leute sich’s
schon heimisch gemacht haben in einem Gasthause, als ob sie da zu
Hause wären,[13-1] und dann einem Wildfremden, der noch dazukommt,
zuschauen, bis dieser sich auch langsam häuslich niederläßt. Die
ersteren haben das Gefühl der Sicherheit und schauen von ihrem festen
Sitze herunter auf den, der sich erst seine Unterkunft gründen
muß. Der Assessor suchte sich[13-2] eine Ecke aus, dicht unter dem
grobgeschnitzten Kruzifix,[13-3] das aus den verdorrten
Palmsonntags-Birkenzweigen hervorschaute, in die sich die Fliegen als
ihr Nachtquartier verzogen, und bestellte sich einen roten
Tyroler.[13-4] Lang saß er nicht allein, denn draußen hörte man[13-5]
Stimmen, und drei junge Leute traten dicht beschneit herein. Die drei
jungen Damen schauten auf und steckten die Köpfe zusammen und
kicherten, als sie dieselben hereinkommen sahen. „Da sind sie wieder,“
sagte die kluge Elsa, „ganz gewiß sie sind’s.“[13-6] Ja, sie waren’s,
die Studenten vom Werfener Stellwagen her.
„Was tausend![13-7] Bei diesem Wetter kommen Sie hier herauf, meine
Damen,“ sagte der erste Tenor. „Wir wären[13-8] fast verunglückt; das
ist Ihnen[13-9] ein schauderhaftes Wetter, da sollte man keinen Hund,
geschweige denn eine Dame, herausjagen.“
„Hatten Sie keinen Führer?“ fragte die Dame, über die letzte
Artigkeit[13-10] etwas lächelnd.
„Führer? {{Jamais!}}[13-11] Wir gehören zum Verein „Selbsthilfe“.
‚Als[13-12] der Nase nach,‘[13-13] hatte der letzte Senne gesagt, ‚da
können’s nit fehlen.‘ Und da sind wir endlich mit unsern verfrorenen
Nasen hier aufgestoßen, als wir das Licht flimmern sahen, denn von
Nasen war rein nichts mehr zu sehen, so[14-1] rot sie auch funkelten.“
Die drei standen immer noch, der Assessor verwunderte sich und
gedachte der schönen Zeit, wo auch er sich einst die Freiheit
genommen,[14-2] ohne weiteres mit wildfremden Mägdlein anzubinden. Das
Pärchen aber begriff bald den Zusammenhang der Sache und freute sich
des Wiedersehens der Fremden, denn in aller Eile hatten die
geschwätzigen drei Elstern[14-3] den jungen Eheleuten von ihrer
Begegnung mit den Studenten und von den Gedichten erzählt.
Dem dicken Tauernwirt dauerte die Sache mit der Vorstellung etwas zu
lange, und er fragte darum die drei: „Schaffen’s auch einen roten
Tyroler--?“
„Ja freilich, teurer Onkel,“[14-4] rief der Baß, „roten und weißen und
grauen, wie’s kommt, nur etwas nasses bei dem nassen Wetter.“
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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