Eingeschneit: Eine StudentengeschichteFrommel, Emil
General
Eingeschneit: Eine Studentengeschichte
Frommel, Emil
Austria -- Fiction; German language -- Readers -- English; Travelers -- Fiction
Der Assessor lachte wieder in seiner Ecke und rückte etwas näher. So
war er auch einst in eine Herberge gefallen und hatte gefragt: „Herr
Wirt! Was kostet das Mondviertel in Essig und Öl, ich zahl’s.“ Die
drei setzten sich zu ihm, er stellte sich vor, und bald waren sie im
tiefsten Gespräch. Der Assessor war froh, daß eine goldene Brücke von
ihm zu den Damen hinüber geschlagen war, denn er fühlte sich längst zu
irgend einer passenden Rede verpflichtet und hatte nur nicht gewußt,
wie sie anbringen. Jetzt wurde auch er durch die Studenten
vorgestellt, und die Tische rückten zusammen. Man erzählte
sich,[14-5] woher man kam. Das Pärchen, das[15-1] wir von früher
kennen und in die Hochzeitskutsche geleitet haben, kam von Italien
herauf, die Damen von Gastein kamen ebenfalls daher, die Studios
hatten sich im Pinzgau herumgetrieben und kamen den Weg des Assessors.
„Ich muß mir nur[15-2] einmal die Wirtschaft hier ansehen, Ihr Leute,“
sagte der zweite Tenor, „denn das ist immer das erste,“[15-3] und fort
war er. Nach einer starken Viertelstunde kam er von seiner
Entdeckungsreise zurück.
„Nun, wie schaut’s[15-4] aus?“ riefen die zwei andern Studenten.
„Wie’s ausschaut? Gar nicht ausschauen thut’s.[15-5] Draußen heult’s
und stürmt’s, und wenn’s so fortmacht, so sind wir morgen alle hier
eingeschneit, daß an ein Fortkommen nicht zu denken ist. Das ist das
erste. Zum[15-6] andern: mit dem Schlafen ist’s alle[15-7] für diese
Nacht. Der bessere und schönere Teil der menschlichen Gesellschaft,
diese Damen hier, werden auf Stroh schlafen. Für Mannspersonen aber
ist kein Raum in dieser Hütte. Das einzige Bett hat ein natureller
Engländer inne, und zu seinen Füßen wird sein Sancho Pansa[15-8]
schlafen, ein Rotkopf, sage ich Euch, so brennend, daß man die Pfeife
an ihm anzünden kann. Der Engländer kocht sich eben seinen Thee auf
höchsteigner Maschine, und der Rotkopf hilft ihm. Er fragte mich, da
die Thür offen stand, etwas auf englisch, und ich sagte ihm mein
einziges englisches Wort, aber fein,[15-9] {{’Yes’}} sagte ich, und
damit war’s gut.[15-10]--Aber das beste habt Ihr nicht gesehen: Da
hinten[15-11] sitzt Euch[15-12] in einem Mordsqualm eine Stube voll
biedrer[15-13] Leute bei einander, alte und junge, Kerls[16-1] wie die
Gemsböcke und wie die alten Tannen mit weißem Flechtenmoos behaftet,
und dazwischen am Spinnrocken sitzt ein Mägdlein mit treuherzigen
blauen Augen. Die erzählen sich[16-2] Geschichten, aber zu verstehen
ist[16-3] kein Wort. Aber in der Küche da prasselt’s,[16-4] da giebt’s
Kaiserschmarren und Krapfen. Zu essen giebt’s genug, das ist immerhin
anerkennenswert. Wir bleiben hier unten[16-5] und richten uns häuslich
ein für diese Nacht. So, nun wißt Ihr Bescheid, und die Verhandlung
kann beginnen. Herr Assessor--{{comment[16-6] trouvez-vous
cela?}}--sagt der Franzose, und der Deutsche fragt: „Um Vergebung, was
ist Ihre geneigte Ansicht hierüber?“
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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