Eingeschneit: Eine StudentengeschichteFrommel, Emil
General
Eingeschneit: Eine Studentengeschichte
Frommel, Emil
Austria -- Fiction; German language -- Readers -- English; Travelers -- Fiction
Der zweite Tenor sprach das alles in _einem_ Atemzug und so drollig,
daß alle lachten. Der Assessor war verblüfft; er hatte sich im stillen
schon auf sein Zimmer gefreut, um dort allerhand chirurgische
Operationen vorzunehmen, mit denen sein Ranzen in genauer Verbindung
stand.
Bald dampften die Schüsseln auf dem Tische, denn alle[16-7] hatten
sich zu einem einzigen vereint, und der Assessor saß mitten unter den
jungen Mädchen, zu seiner Rechten das ältere Fräulein. Die Studenten
teilten sich mit dem jungen Eheherrn in die anderen. Das Gespräch war
lebendig, jeder wußte von Abenteuern, von Gemsjägern und Sennerinnen
zu erzählen, und am[16-8] aufgeräumtesten war der Assessor.
Nach dem Imbiß baten die Damen, es[16-9] möchten doch die Studenten
wieder ein Lied singen, wie damals im Stellwagen. Schnell waren diese
bei der Hand, und fröhlich klangen die Terzette durch den warmen
Raum. Unvermerkt hatte sich[17-1] die Thür aufgethan, und aus der
hintern Stube waren die Insassen hergewandert, als sie vorne singen
hörten. Der alte Führer des Assessors vorndran, und zwischendrin die
flachsköpfige Spinnerin.
„Dös sollt’ mi doch rechtschaffen Wunder nehma, wenn mein Herr[17-2]
singen könnt’,“ sagte der Alte. „Der giebt sonst koan Laut[17-3] von
sich“--und wirklich, er sang zu seinem eigenen und des Führers
Erstaunen. Er hatte ja eine herrliche Baritonstimme, aber seit Jahren
hatte er kein Lied mehr gesungen, wie er behauptete. Aber hier bei den
fröhlichen Stimmen gingen ihm Herz und Lippen auf. Zur Vorsorge hatten
die Studios noch Noten für eine vierte Stimme mit, wenn je einmal sich
noch ein Musikant unterwegs zum Quartett fände.[17-4] Es[17-5] waren
ja alte, liebe Lieder, die sie sangen, die er einst auch in jüngeren
Tagen bei Ständchen und Morgengrüßen gesungen. Fröhlich klang das alte
Quartett:
Mir ist auf der Welt nichts lieber[17-6]
Als das Stübchen, wo ich bin,
Denn da wohnt mir gegenüber
Eine schöne Nachbarin!
„Herr Assessor, Ihre schöne Nachbarin in Buchau soll[17-7] leben!“
rief der muntere zweite Tenor, „die Tochter des
Landgerichtspräsidenten.“
„Der[17-8] ist leider selbst noch ledig,“ antwortete trocken der
Assessor. „Mir wohnt nichts[17-9] gegenüber als ein Schmied, dessen
Gesellen mich morgens um vier Uhr aus dem süßen Schlummer jagen, das
ist eine grausame Nachbarschaft.“
Er war eben daran, seinen Jammer näher zu beschreiben, als durch die
Hauptthüre der hochaufgeschossene Engländer mit seinem Rotkopf im
Gefolge eintrat.
„Sankt Florian[18-1]
Zünd’t[18-2] Häuser an!“
sagte leise der zweite Tenor, auf den Rotkopf schauend. Die Mädchen
hielten sich die Taschentücher vor den Mund, der Eheherr griff nach
seinem roten Tyroler und steckte tief das Gesicht in das Glas. Nur die
„Institutsvorsteherin“ und der Assessor hielten Balance[18-3] mit
sicherm Takte. Der Engländer aber sagte in etwas englisiertem, aber
sonst anständigem Deutsch:
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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