Eingeschneit: Eine Studentengeschichte — John Shaqi
Eingeschneit: Eine StudentengeschichteFrommel, Emil
General
Eingeschneit: Eine Studentengeschichte
Frommel, Emil
Austria -- Fiction; German language -- Readers -- English; Travelers -- Fiction
„Ich haben[18-4] gehabt sehr großes Vergnügen in meinem Zimmer, zu
hören solch schönes Gesang. Ich komme zu bitten, daß ich noch mehr
höre.“
Er sagte das mit solch edlem Anstand, daß einer der Studios aufstand,
ihm seinen Stuhl anzubieten und ihn einzuladen, wenn ihm die
Gesellschaft behagte,[18-5] sich niederzulassen. Er stellte ihm alle
vor und bat ihn dann ebenfalls zu sagen, „woher[18-6] des Landes,
woher der Männer er sei.“[18-7]--„Sie sehen, ich bin Engländer, und
James ist es auch, der gute alte Junge. Der Name ist nicht
notwendig--nennen Sie mich Mr. Brown, und ich bin’s zufrieden,“ sagte
er lächelnd. „Wir sind heute Mittag gekommen durch
Salzkammergut--{{beautiful indeed}}--und konnten[18-8] nicht mehr
weiter. Aber singen Sie, meine Herren, singen Sie, ich
bitte.“--Schnell waren die Sänger zusammen, sprachen zuerst leise mit
einander und setzten plötzlich kräftig ein in die Weise:
Treu[19-1] und herzinniglich,
Robin Adair!
Tausendmal grüß ich dich!
Robin Adair!
Hab’ ich doch[19-2] manche Nacht
Schlummerlos zugebracht,
Immer an dich gedacht,
Robin Adair!
Die Verse verklangen. Der Engländer war außer sich vor Freude, als er
die heimische Weise klingen hörte. „Das ist {{beautiful}}--, aber wo
haben Sie ein ähnliches deutsches Lied?“--Die Studios besannen sich.
„Nun, singen Sie: ‚Ännchen von Tharau‘!“,[19-3][E-1] sagte die
„Institutsvorsteherin.“
„Richtig, los! eins, zwei, drei, ‚Ännchen von Tharau‘ ist’s die mir
gefällt!“ rief der zweite Tenor. Sie sangen frisch herunter:
Ännchen von Tharau ist’s, die mir gefällt,
Sie ist mein Leben, mein Gut und mein Geld.
Ännchen von Tharau hat wieder ihr Herz
Auf mich gerichtet in Freud’ und in Schmerz.
Ännchen von Tharau, mein Reichtum, mein Gut!
Du, meine Seele, mein Fleisch und mein Blut.
Käm’ alles Wetter gleich auf uns zu schlahn,[19-4]
Wir sind gesinnt, bei einander zu stahn:
Krankheit, Verfolgung, Betrübnis und Pein
Soll unsrer Liebe Verknotigung sein ...
„Das ist ein schönes Volkslied, das müssen Sie mir geben. Aber was
ist das „Verknotigung?““[20-1][E-2]
„Ja, wissen Sie, das ist etwas besonderes. Zum Exempel, wenn ein
Jüngling und eine Jungfrau sich so ein bißchen stark lieb haben, so
ist das „Verknotigung“. Das kommt von dem Liebesband her, und wenn
die zwei Bänder zusammenkommen und geknüpft werden, giebt’s allemal
dort eine „Verknotigung“. ‚Der Ausdruck ist obsolet,‘ sagt der
Herr Professor auf seiner Hitsche[20-2]--aber er[20-3] ist gut, sehr
gut,“ sagte der zweite Tenor.
„{{O, well, Sir}}--sehr gut! ich verstehen jetzt „Verknotigung“.
Ich lieben sehr das Volkslied[20-4] der Deutschen.“
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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