Eingeschneit: Eine StudentengeschichteFrommel, Emil
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Eingeschneit: Eine Studentengeschichte
Frommel, Emil
Austria -- Fiction; German language -- Readers -- English; Travelers -- Fiction
Der Engländer war außer sich vor Freude; das hatte er ja[22-2] schon
längst gewünscht zu hören, aber niemand hatte ihm den Gefallen gethan,
trotzdem er oft den Leuten Geld geboten hatte. Aber fürs[22-3] Geld
sangen sie wohl[22-4] drunten im Flachland, die nachgemachten Tyroler
in Glacéehandschuhen, aber da oben nicht. Aber jetzt waren die Leute
guter Dinge.[22-5] Die Studenten holten die Sängerin vor. Der
Engländer nahm sich[22-6] den Tauernwirt auf die Seite und redete mit
ihm. Der Rotkopf verschwand und kehrte mit etlichen Flaschen
zurück. Bald brodelte es[22-7] aufs neue in der Küche von
Kaiserschmarren, auf dem Tische aber dampfte eine prächtige
Bowle. Verschämt setzten sich die Leute aus der Hinterstube herein in
die Herrenstube und bekamen vollauf zu essen und frischen Tyroler zu
trinken, während die Studenten kunstgerecht den Punsch mit Hilfe des
Engländers zurecht machten. Alles war ein Geschenk von Mr. Brown, das
er anzunehmen bat, als Beitrag dafür,[22-8] daß er nicht singen könne.
Der Assessor spielte,[22-9] die drei Studenten sangen, die Bauern
hörten zu, und der Tauernwirt schmunzelte in der Ofenecke und freute
sich, daß heute Abend was[22-10] draufging, und segnete das
Schneetreiben, das ihm die Gäste in seine Klause gejagt.--Draußen
stürmte es noch lustig zu--aber was thut’s,[22-11] wenn
Im Ofen hell der Kienspan blitzt,
Und jeder warm beim andern sitzt--
Da thut das Herz im schnellen Lauf
Sich fröhlicher dem Herzen auf!
So war’s auch hier, die Fremden waren durchs Unwetter _eine_ Familie
geworden. Die Studenten hatten sich schnell unter die Eingebornen
gemacht,[23-1] und die kluge Elsa war ihnen nachgefolgt. Der Rotkopf
hatte sich[23-2] den Alten mit dem Gemsbart ausgewählt, den er trotz
allen Anschreiens nicht verstand. Der Engländer unterhielt sich mit
der „Vorsteherin“ im feinsten Englisch. Der Assessor aber rückte zu
dem jungen Ehepaare. Die zwei andern Mädchen zog’s[23-3] auch hinüber
zu der Else[E-3] und langsam rutschten sie an der Wand bis hinüber zu
ihr.
„Wie wär’s,[23-4] meine Herrschaften, wenn jeder von uns eine
Geschichte aus seinem Leben erzählte?[23-5] Mit dem Schlaf
wird’s[23-6] doch nicht viel werden heute Nacht, nicht wahr,
Mr. Brown, trotz Ihres hohen[23-7] Bettes, und das Stroh für Sie, mein
Fräulein,[23-8] kann warten, bis Sie sich darin verkriechen--“ sagte
plötzlich der unermüdliche zweite Tenor.
„Ach ja--das wäre[23-9] schön,“ meinten die Fräuleins;[23-10] denn sie
wußten sich geborgen, daß sie nichts zu erzählen brauchten, weil sie
noch nichts erlebt hatten.
„Wer fängt an?“ riefen sie alle.
„Wir werden den Halm ziehen?“ Sie zogen und den kürzesten zog der
junge Eheherr. Alle lachten, denn er war bis jetzt der schweigsamste
gewesen, und hatte sich nur an dem süßen Geplauder seiner Frau
erfreut.
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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