Eingeschneit: Eine Studentengeschichte — John Shaqi
Eingeschneit: Eine StudentengeschichteFrommel, Emil
General
Eingeschneit: Eine Studentengeschichte
Frommel, Emil
Austria -- Fiction; German language -- Readers -- English; Travelers -- Fiction
„Nun denn, wenn es sein muß, werde ich Ihnen unsere
Hochzeitsgeschichte erzählen. Annlieschen, erschrick nicht, wenn du
dabei etliche Male vorkommst, denn sonst ist’s keine
Hochzeitsgeschichte,“ sagte er zu seiner Frau, „denn dazu gehören
immer zwei.“
„Ja, mach’s aber nur nicht zu arg, Hans.“
„Wes Zeichens[24-1] und Standes ich bin, brauchen Sie nicht zu wissen,
noch wie wir heißen. Wo wir her[24-2] sind, merken Sie vielleicht an
unsrer Sprache, die so etwas niederrheinisch[24-3] klingt. Aber wir
sind ehrlicher Leute Kind[24-4] und haben noch keine silbernen Löffel
gestohlen.--Also so war’s: Ich lebte mit einer Schwester auf einem
Dorfe und war nahe daran, ein Einsiedler zu werden. Die Schwester
wußte so gut, was _mir_ lieb war, und ich wußte, was _sie_ gerne
hatte, und so gedachte ich mein Leben still zu beschließen als
Einsiedler. Aber es[24-5] kam anders. Plötzlich kam es[24-6] wie das
Schneetreiben heute und jagte mich in den Ehestand hinein. Meine
Schwester hatte just ihr Kaffeekränzchen mit ihren Gespielinnen, in
welchem nebenbei auch gestrickt[24-7] wurde. Die Strickkörbchen
wanderten[24-8] von Kränzchen zu Kränzchen. Die Nächstfolgende nahm
die Körbchen immer mit nach Hause. Es[24-9] war die Reihe an einem
muntern, rotwangigen Mädchen. Sie nahm die Körbchen am Schluß des
Kränzchens. Es war schon spät, und ich mußte sie ehrenhalber
begleiten. Da fiel mir plötzlich ein, daß sie sich mit den Körbchen
schleppte, und ich bat: „Ach bitte, geben Sie mir doch[24-10] die
Körbchen.“[24-11] „Nein,“ sagte sie, „kein einziges.“ Da fuhr
mir’s[25-1] durch den Sinn: Jetzt oder nie!--„Ha,“ sagte
ich--„Fräulein, wirklich, Sie geben mir kein Körbchen? Dann bin ich
der glücklichste Mensch, dann geben Sie mir einen Kuß.“ Und ehe sie
sich’s versah, hatte ich ihr um die Straßenecke herum einen Kuß
gegeben. Sie weinte und lachte zugleich, und ich sagte: „Komm,[25-2]
wir wollen gleich umkehren und es der Schwester sagen.“ Wir kehrten
Arm in Arm um und stellten uns als Braut und Bräutigam vor. Die
Schwester zog mich auf die Seite und sagte: „Sieh, Hans, die[25-3]
habe ich immer gemeint. Sie hat dich auch lieb, das weiß ich.“--Und
nun sehen Sie: das ist das Annlieschen hier, meine liebwerte,
herzallerliebste Frau.“--
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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